Vinzenz Gruppe: Orthopädie 4.0: OP-Roboter und Künstlicher Intelligenz gehören die Zukunft

Die Kongresstage Orthopädie der Vinzenz Gruppe am 15. und 16. November 2019 stehen im Zeichen der Digitalisierung. Technische Innovationen und die Digitalisierung führen zu großen Veränderungen und neuen Chancen in der Orthopädie. Sie bringen aber auch neue Herausforderungen in der Nachwuchsausbildung mit sich.

Die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen ist in der Medizin enorm. Der Einzug modernster Digitalisierungstechnik in der Orthopädie stellt eine große Herausforderung, aber auch große Chancen dar. Navigation und 3D-geplante Operationen gehören bereits zur Routine im Operationssaal. OP-Roboter, Künstliche Intelligenz und die Nutzung von Augmented Reality werden im OP der Zukunft Realität sein.

Im Rahmen der Kongresstage Orthopädie lädt Prim. Dr. Gerald Ch. Loho, Kongresspräsident und Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung im Herz-Jesu Krankenhaus, Experten dazu ein, Neuerungen vorzustellen und die Vor- und Nachteile für die behandelnden Ärzte und die betroffenen Patienten zu diskutieren. „Die Digitalisierung eröffnet der Medizin und im Speziellen der Orthopäde ungeahnte Möglichkeiten, und es werden laufend neue Behandlungsmethoden entwickelt“, sagt Dr. Gerald Loho. „Mit Hilfe neuester Techniken ist es möglich geworden, den Patienten eine exakt angepasste Versorgung anzubieten, was dazu führt, dass das Alter kein limitierender Faktor mehr ist und dass Patienten rascher genesen.“

Exakte Prothesenpositionierung für bessere Resultate

Die Endoprothetik ist jener Bereich, der in der Orthopädie seit den 60er-Jahren einen gewaltigen technischen Fortschritt aufzuweisen hat. Gerade die präoperative Planung bei Gelenksersatz-Operationen wird durch die Verwendung digitaler Tools präziser. Einige Wochen vor der Operation werden Computertomographie-Bilder des Gelenks gemacht. Diese Bilder werden in eine spezielle 3D-Software übertragen. Damit kann der Orthopäde das Gelenk am Computer darstellen, von allen Seiten betrachten und sogar bewegen. Mittels 3D-Drucker werden danach ein Modell des Gelenks und eine Schablone für die Verankerung der Prothese angefertigt. „Diese Simulationssoftwares ermöglichen Orthopäden, das künstliche Gelenk genau einzupassen und zu simulieren, wie sich die neue Prothese in Bewegung verhalten wird“, erläutert Dr. Loho. „Es bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen.“ Orthopäden können zukunftsorientierte Lösungen erarbeiten, die sogar im Falle einer Revision viele Jahre nach dem Gelenksersatz einen Wechsel des Gelenks problemlos ermöglichen. Die ersten Erfahrungen mit der spezifischen Instrumentation in der Endoprothetik (PSI) haben gezeigt, dass die Prothesen exakt passen und die Beweglichkeit höher ist als mit herkömmlichen Methoden.

Fortschritt in der Arthroskopie

Ein wichtiger Bereich in der Forschung und Entwicklung ist die Arthroskopie. Die gelenkserhaltende Chirurgie mittels minimalinvasiver Methode ermöglicht es, Eingriffe mit geringen Hautinzisionen (kleinen Schnitten) durchzuführen. Auf diese Weise können Sehnen genäht, Verletzungen des Knorpels oder zum Beispiel Weichteil-Luxationen behandelt werden. Der große Vorteil dabei für die Patientin und den Patienten ist, dass sie durch den schonenden Eingriff rasch wieder fit sind und weniger Schmerzen haben.

Praktische Fähigkeiten wichtiger denn je

Orthopädie 4.0 und ihre Herausforderungen für die Nachwuchsausbildung sind vielfältig. Praktische Fertigkeiten wie die sogenannte Schlüssellochchirurgie gehören zur Routine im Operationssaal und müssen intensiv geübt werden. Zusätzlich stellen immer häufiger Onlineseminare oder Live-Streams eine etablierte Option für Jungärzte aber auch zur Fortbildung für Routiniers dar. „Es drängen laufend Hersteller mit verschiedenen Systemen auf den Markt. Ärztinnen und Ärzte müssen sich fortbilden und Weiterbildungsangebote annehmen und nützen, aktiv lenken und nicht Passagier werden.“ Während des Kongresses wird es deshalb erstmals Workshops für Jungärzte und Medizinstudenten geben.

„Letztendlich steht bei aller neuer Technik und Digitalisierung immer der Patient im Mittelpunkt und ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt haben Diagnostik und Therapie zu verantworten.“, resümiert Prim. Dr. Gerald Loho.