Uni Wien: Bauarbeiten für neues Biologiezentrum der Universität Wien gestartet

Auf einem fast 12.000 Quadratmeter großen Grundstück in St. Marx herrscht seit kurzem rege Bautätigkeit. Insgesamt werden allein beim Aushub für die Baugrube rund 80.000 Tonnen Erdmaterial bewegt. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Bauherr und Eigentümer errichtet im Auftrag der Universität Wien bis zum Frühjahr 2021 ein modernes Forschungs- und Lehrgebäude mit einem Investitionsvolumen von rund 146 Millionen Euro.

"Ich habe das klare Ziel, für unsere Universitäten bestmögliche Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu schaffen. Exzellente Infrastruktur ist eine wesentliche Grundlage für hervorragende Lehr- und Forschungsleistungen einer Hochschule, damit sich Studierende und Lehrende optimal entfalten können. Das BMBWF investiert nun für die Errichtung des neuen Biologiezentrums in St. Marx 146 Millionen Euro und stellt somit sicher, dass die lebenswissenschaftliche Forschung und Lehre auch weiterhin auf international wettbewerbsfähigem Niveau stattfinden kann", so Wissenschaftsminister Heinz Faßmann.

Städtebauliches Konzept - Stärkung des Life Science Standorts

Der Neubau entsteht auf dem derzeit unbebauten Grundstück zwischen Schlachthausgasse, Viehmarktgasse und Erne-Seder-Gasse. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Vienna Biocenter, der größte Life Sciences Cluster in Österreich, an dem die Universität Wien mit dem Zentrum für Molekulare Biologie und den Max F. Perutz Laboratories maßgeblich beteiligt ist. Durch die Verortung des neuen Biologiezentrums, in dem große Teile der Fakultät für Lebenswissenschaften unterbracht sein werden, in unmittelbarer Nähe zu den anderen vorhandenen Forschungseinrichtungen werden infrastrukturelle und organisatorische Synergien, aber vor allem Forschungssynergien und neue Ansätze ermöglicht, die zu einer weiteren Aufwertung dieses Standortes beitragen.

Schollen & Shared Labs für einen modernen Forschungs- und Studierstandort

Nach den Plänen des Generalplaners ARGE Biologiezentrum wird auf einem zweigeschoßigen Sockel – bestehend aus einzelnen "Gebäudeschollen" – ein viergeschoßiger kompakter Forschungsriegel mit einem Lichthof und einer geschützten Dachterrasse errichtet. Der Haupteingang des neuen Universitätsbaus liegt an der Viehmarktgasse schräg gegenüber dem Vienna Biocenter. Alle "öffentlichen Funktionen" sind im Sockel, den "Schollen", untergebracht. Vom Haupteingang erreicht man über ein verglastes Foyer ebenerdig den Servicebereich mit StudienServiceCenter, Shop und den Bibliotheksbereich. In unmittelbarer Nähe und zur beruhigten Erne-Seder-Gasse hin orientieren sich die großen Hörsäle und ein Uni-Restaurant mit Außenterrasse. Im ersten Obergeschoß der Schollen befinden sich Seminarräume, die Verwaltung und Praktikumslabors. In der zum Forschungsgarten gewandten "Scholle" befindet sich das Glashaus. Der vom zweiten bis zum fünften Obergeschoss reichende "Forschungsriegel" ist so konzipiert, dass pro Ebene ein Cluster und zusammenhängende Bereiche der "Shared Labs" Platz finden.

Effiziente heiße Luft verbunden mit Flexibilität

"Zur Optimierung des Energieverbrauchs wird die Fassade des Biologiezentrums so kompakt und effizient wie möglich gestaltet. Erstmals wird bei einem Wiener Laborgebäude die Laborabluft zur Wärmerückgewinnung genutzt und so mindestens 30 % der benötigten Wärme im Vergleich zu einem herkömmlichen Laborgebäude eingespart", sagt BIG Geschäftsführer Hans-Peter Weiss. Die Heizung erfolgt über einen Fernwärmeanschluss mit hohem Primärenergiefaktor.

Zur Berücksichtigung der Nachhaltigkeit, wurde der Gebäudekomplex so flexibel wie möglich geplant. Demgemäß sind beispielsweise die Schollen statisch so konzipiert, dass sie später aufgestockt oder Büros zu Laboren – und umgekehrt – umfunktioniert werden könnten. Auch Zwischenwände können nachträglich einfach versetzt werden, da alle Installationen wie beispielsweise die Elektroverkabelung in der Decke verlaufen. Der Neubau des Biologiezentrums wird nach klimaaktiv zertifiziert und somit die Einhaltung hochwertiger Standards gewährleistet. Dabei werden Kriterien wie Energieeffizienz, Ökologische Qualität aber auch Komfort und Ausführungsqualität bewertet. Ziel ist es "Silber" zu erreichen.

Forschung und Lehre auf höchstem Niveau für umfassensten Life-Science-Cluster Europas

Für die Universität Wien bedeutet die Umsetzung des Biologiezentrums in St. Marx, dass die lebenswissenschaftliche Forschung und Lehre weiterhin zukunftsorientiert auf international wettbewerbsfähigem Niveau stattfinden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Wien werden ein modernes Gebäude beziehen, das mit seinen offenen Kommunikationsbereichen den wissenschaftlichen Austausch fördert und in den "Shared Labs" den Forschenden aktuelle Geräteinfrastruktur zur Verfügung stellt.

Für Rektor Heinz W. Engl stellt im Besonderen die Nähe zu den anderen Forschungseinrichtungen im 3. Bezirk eine große Chance dar: "Die Universität Wien verstärkt mit zusätzlich 500 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern und mehr als 5.000 Studierenden im Bereich der Biologie den Standort. Mit der Realisierung des neuen Biologiezentrums der Universität Wien kann einer der umfassendsten Life-Science-Cluster Europas hier in Wien realisiert werden."

Bisheriger Standort Althanstraße

Der Neubau des Biologiezentrums der Universität Wien in St. Marx wurde notwendig, da die Liegenschaft in der Althanstraße am Ende ihres Lebenszyklus angelangt ist. Der bisherige Standort unweit der alten Wirtschaftsuniversität wird durch den Eigentümer BIG neu entwickelt. Der rund 35 Jahre alte Gebäudekomplex bedürfte einer Generalsanierung. Angesichts der seit längerem geplanten Neuerrichtung wurden, um keinen verlorenen Aufwand zu produzieren, lediglich sicherheitstechnisch notwendige Maßnahmen zur Ertüchtigung des Gebäudes durchgeführt.

Daten & Fakten zum Projekt

  • Baubeginn:  August 2018
  • Fertigstellung:  1. Halbjahr 2021
  • Betrieb:  Wintersemester 2021/22
  • Fläche:  rd. 32.500 m²
  • Grundstück:  rd. 12.000 m²
  • Investitionen:  146 Millionen Euro inklusive Einrichtung
  • Bauherr/Eigentümer:  Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
  • Mieter/Nutzer:  Universität Wien
  • Architektur:  ARGE Biologiezentrum; Chiara Liebner GmbH & Vasko + Partner Ingenieure