TÜV Austria: Den Keim mit dem Bade ausschütten – Medizinprodukte richtig aufbereiten

In Zeiten von multiresistenten Erregern muss bei der Aufbereitung von Medizinprodukten ein höchstes Maß an Sicherheit gewährleistet werden.

In Zeiten von multiresistenten Erregern muss bei der Aufbereitung von Medizinprodukten ein höchstes Maß an Sicherheit gewährleistet werden. Aber wie kann diese Sicherheit erreicht werden?

Medizinprodukte werden nicht nur im Gesundheitsbereich angewendet. Auch in Tattoostudios oder bei der Fußpflege werden sie gebraucht. Prinzipiell müssen Medizinprodukte penibel gereinigt, desinfiziert und sterilisiert werden – alles nach einem validierten Aufbereitungsverfahren. Validiert heißt, der Qualitätsnachweis für eine konstant gut ablaufende Aufbereitung muss mittels Dokumentation erbracht werden. Ob die Praxis dieser gesetzlichen Vorgabe standhält, darüber referierte HFK Elke Poßegger am TÜV AUSTRIA Medizinprodukte-Tag.   

„Hygiene ist Prävention.“, erklärte Poßegger den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des TÜV AUSTRIA Medizinprodukte-Tags, die sich vorwiegend aus Betreibern, Herstellern und Anwendern von Medizinprodukten zusammensetzten. Laut Poßegger würden Medizinprodukte jedoch oft nicht fachgerecht aufbereitet werden, sodass die Gefahr einer Infektion für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor ein Thema ist.

Ein Beispiel: Ärzte unterschiedlicher Fachbereiche haben komplexe Medizinprodukte im Repertoire, mit hoher Risikogruppe für Übertragungen von Krankheiten. Aufgrund dieser hohen Komplexität und der teilweise lückenhaften Qualifikation der Verantwortlichen für die Aufbereitung wird dieser Vorgang zur Herausforderung. Das kann vermieden werden – durch Bildung des Bewusstseins, durch Weiterbildung, aber auch durch ausreichende Information. Denn wenn eine maschinelle Aufbereitung aus Platz- oder Kostengründen nicht möglich ist, muss eine adäquate manuelle Aufbereitung erfolgen. Und die kann nur dann fachgerecht durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten ausreichend geschult wurden.

Bei genauerer Überprüfung findet man auch in Pflegeheimen Hygienebedingungen, welche die Sicherheit von Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen, aber auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden. Ein Beispiel hierfür sind die Pflegebadewannen. Diese sollen 5-8 Patientinnen und Patienten pro Tag gesundheitliche Erleichterung bringen. Wenn diese Wannen nicht ordnungsgemäß gereinigt und desinfiziert wurden, kann das fatale Folgen für Personen mit Hautschädigungen haben. Das Problem ist, dass die Anwender oft damit alleine gelassen werden, wie eine fachgerechte Aufbereitung durchzuführen ist – Hersteller, Betreiber und Lieferanten machen teilweise unzureichende Angaben darüber.

„Leisten Sie Hilfestellung.“, appellierte Poßegger an die Anwesenden. Zu wenige Angaben zur Hygiene und Infektionsprävention oder gar Angaben die nicht „State of the Art“ sind, können die Patientensicherheit und jene der Angestellten massiv gefährden. Bevor Medizinprodukte angeschafft werden, sollten Fachkräfte hinzugezogen werden, um die Aufbereitung vorab zu besprechen – so können Hygieneexperten, Anwender und Betreiber an einem Strang ziehen, um sämtliche Beteiligten zu schützen.

Der 11. Medizinprodukte-Tag bot spannende Vorträge zu aktuellen Herausforderungen in der Medizinproduktebranche. Referiert wurde über Risikomanagement, IT-Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit von Medizinprodukten ebenso wie über rechtliche Rahmenbedingungen und Qualitätsmanagement. Die Referenten: DI Volker Sudmann (mdc), HFK Elke Poßegger (TÜV AUSTRIA Hygienic Expert), Dr. Reinhard Berger (AGES), Poppy Abeto Kiesse, MSc (GS1 Austria), DI (FH) Dr. Michael Ring, MLBT (RnB Consulting), DI Hendrik Dettmer (TÜV IT-Trust), Dr. Stefan Leber, MBA (UMIT – Private Universität für Gesundheitswissenschaften), Dr. Volker Lücker (Kanzlei Lücker).