Philips: Finanzbedarf österreichischer Spitäler verdoppelt sich bis 2030

Philips Studie stellt Befund zur Leistungskraft österreichischer Krankenanstalten

Fehlende politische Strategien und wenig öffentlich zugängliche Informationen machen es dem Gesundheitssystem schwer, den Kurs für die Zukunft festzulegen. Versorgung, Verantwortlichkeiten und Finanzierung müssen dringend bundesländerübergreifend aufeinander abgestimmt werden. Der dritte Teil der Philips Austria Studie legt den Fokus auf wichtige Kennzahlen des Krankenanstalten-Sektors und präsentiert erstmals Prognosen des Finanzbedarfs von Krankenhäusern bis 2030 – österreichweit sowie im Bundesländervergleich.

Heute präsentierte die Ökonomin MMag. Maria M. Hofmarcher-Holzhacker, Direktorin von HS&I HealthSystemIntelligence und Vizevorständin der aha. Austrian Health Academy, den dritten Teil der Philips Austria Studie „Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme“ am Europäischen Forum Alpbach. Die Ergebnisse zeichnen ein Leistungsbild österreichischer Krankenanstalten und liefern eine mittelfristige Vorschau des Finanzbedarfs. „Als führender Anbieter von Gesundheitstechnologie arbeitet Philips laufend daran, auch die positive Entwicklung des Gesundheitssystems voranzutreiben. Die Studie ist ein wesentlicher Beitrag zu einer notwendigen Transparenz, wodurch erst die entsprechenden Rahmenbedingungen entstehen, die uns allen die Sicherheit im Gesundheitssystem gewährleisten können. Das Gesundheitssystem arbeitet nach wie vor in stark ausgeprägten Silos“, resümiert Robert Körbler, CEO Philips Austria GmbH. Die Studienautoren kommen auch zu dem Schluss, dass es in Österreich sehr schwierig ist, an Daten zu gelangen, die für die Verbesserung des Gesundheitssystems wichtig und notwendig sind. Hier fehlen noch die dringend notwendige Transparenz und oftmals auch das Verständnis.

Zustand der Krankenhäuser zeigt Zustand des Gesamtsystems

Um die Leistungskraft der Gesundheits- und Pflegeversorgung zwischen den Bundesländern zu vergleichen, wurden voriges Jahr 21 Schlüsselindikatoren und sieben Headline-Indikatoren erstellt. Das Factbook 2019 ergänzt diese Daten und fokussiert auf Finanzkraft und Produktivität der Krankenanstalten. Dazu wurden 10 Schlüsselindikatoren und vier Headline-Indikatoren identifiziert, die neben Zugang und Qualität auch die Effizienz der Krankenanstalten erfassen. „Krankenanstalten sind der größte Ausgabenbereich und Rückgrat der Leistungskraft von Gesundheitssystemen und dieser Sektor wird auch in Zukunft bestimmend für die Wachstumsdynamik des österreichischen Gesundheitssystems. Darum ist es so wichtig, zusammenhängende Vorstellungen über ihre komplexen Unterschiede zu erlangen“, erklärt MMag. Hofmarcher-Holzhacker.

Im EU-Vergleich ist die stationäre Versorgung in österreichischen Krankenhäusern überdurchschnittlich gut ausgebaut. Die stationäre Versorgung kostete Österreich 2017 14,8 Mrd. Euro (inklusive Spitalsambulanzen). Gemessen an den gesamten Gesundheitsausgaben in Österreich ist der Anteil der stationären Versorgung hoch, der Ausgabenanteil für ambulante Versorgung ging zurück, obwohl er in der Eurozone deutlich anstieg.

Finanzbedarf der Krankenanstalten steigt bis 2030 stark

In der Studie wurden die Berechnungen des geschätzten Finanzbedarfs der Krankenanstalten (ohne Spitalsambulanzen) österreichweit und aufgesplittet für jedes Bundesland auf Basis von Prognosen zur Entwicklung des Einkommens, der Bevölkerung und der Auswirkungen technologischer Neuerungen erstellt: Österreichweit wird der Finanzbedarf für 2030 von 12,8 Mrd. Euro (2017) auf 24,6 Mrd. Euro (2030) steigen – damit werden sich die Ausgaben für die stationäre Krankenversorgung nominell verdoppeln. Ein großer Teil des nominellen Ausgabenzuwachses ist inflationsgetrieben. Pro Kopf steigen die stationären Gesundheitsausgaben von 1.452 Euro im Jahr 2017 auf 2.780 Euro im Jahr 2030. Real entspricht das einem jährlichen Wachstum von 2,2 Prozent, was deutlich über dem erwarteten Pro-Kopf-Wachstum der Wirtschaftsleistung bis 2030 liegt (1,2 %).

Spitals-Ausgaben spiegeln Systemausgaben wider

Pro Kopf betrugen die Ausgaben für die stationäre Krankenversorgung 2017 österreichweit 1.452 Euro. Tirol, Steiermark und das Burgenland weisen dabei die niedrigsten Niveaus aus, in Wien und Vorarlberg sind die Ausgaben hingegen am höchsten. Diese Rangfolge zeigt sich auch bei den Gesamtausgaben. Tirol und das Burgenland liegen unter dem für 2017 ermittelten Durchschnitt von 4.291 Euro, Wien und Vorarlberg waren deutlich darüber. Bei der Unterteilung in private und öffentliche Ausgaben weisen die Bundesländer Unterschiede in der Zusammensetzung auf. Während 2017 in Tirol 28 Prozent der Gesundheitsausgaben aus privaten Quellen finanziert sind, sind in Niederösterreich nur etwa 23 Prozent der Gesamtausgaben privat finanziert.

Weniger Todesfälle durch Herzinfarkte

Die Wahrscheinlichkeit an Schlaganfällen und akuten Herzinfarkten zu sterben, hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich verringert, obwohl die Häufigkeit zugenommen hat. Der Bundesländervergleich zeigt, dass in der Steiermark und in Vorarlberg weniger Menschen an Herzinfarkten sterben als an Schlaganfällen. In Tirol werden letztere häufig überlebt, jedoch sterben überdurchschnittlich viele Personen an Herzinfarkten. In Wien, Salzburg und Oberösterreich sind die Überlebensraten bei beiden Erkrankungen überdurchschnittlich gut.

Ungeklärte Unterschiede bei Wartezeiten gibt es jedoch bei planbaren Eingriffen: Bei einem Durchschnitt von 23 Tagen unterscheiden sich die Bundesländer um bis zu 9 Tage. Die kürzesten Wartezeiten haben Kärnten und Salzburg, lange wartet man hingegen in Wien, Burgenland und Niederösterreich.

Finanzumstrukturierung statt Kassenreform

Rund 111 Mio. Euro müssten für vermeidbare Aufenthalte aufgewendet werden, wenn sie außerhalb von Krankenanstalten versorgt werden könnten. „Das sind zwar nur 0,54 Prozent der gesamten Ausgaben, sie zeigen jedoch das wesentliche Dilemma des fragmentierten Finanzierungssystems. Die Zusammenführung der Finanzmittel für ambulante Versorgung über alle Versorgungssettings inklusive mobiler Pflege ist sehr viel wichtiger als der Umbau der Kassenlandschaft“, gibt die Studienautorin MMag. Hofmarcher-Holzhacker zu bedenken. Eine Zusammenführung habe eine stärkere Wirkung auf die Effizienz und Versorgung.

Besonders die Politik ist gefordert, um die künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen bestmöglich zu meistern. Die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft sind laut Studie:

  • Schaffung von Rahmenbedingungen, durch die alle Menschen gesund altern können
  • Auf- und Ausbau der ambulanten Versorgung am „best point of service“
  • Ausreichende Sicherstellung personeller Ressourcen auf allen Ebenen
  • Bessere Abstimmung der Versorgung zwischen Gesundheit und Pflege
  • Die Voraussetzungen, um diese Herausforderungen zu meistern, sind Investitionen bei gleichzeitiger Sicherstellung der finanziellen Nachhaltigkeit und des Ausbaus der Digitalisierung.

Die gesamte Studie ist hier abrufbar: http://www.philips.at/alpbach

Über Royal Philips

Royal Philips (NYSE: PHG, AEX: PHIA) ist ein führender Anbieter im Bereich der Gesundheitstechnologie. Ziel des Unternehmens mit Hauptsitz in den Niederlanden ist es, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und sie mit entsprechenden Produkten und Lösungen in allen Phasen des Gesundheitskontinuums zu begleiten: während des gesunden Lebens, aber auch in der Prävention, Diagnostik, Therapie sowie der häuslichen Pflege. Die Entwicklungsgrundlagen dieser integrierten Lösungen sind fortschrittliche Technologien sowie ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse von medizinischem Fachpersonal und Konsumenten. Das Unternehmen ist führend in diagnostischer Bildgebung, bildgestützter Therapie, Patientenmonitoring und Gesundheits-IT sowie bei Gesundheitsprodukten für Verbraucher und in der häuslichen Pflege. Philips beschäftigt etwa 78.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern und erzielte in 2018 einen Umsatz von 18,1 Milliarden Euro. Mehr über Philips im Internet: www.philips.at