Merck: future forum - Medizin 2025

Herausforderungen und Empfehlungen

  • Durch die immer höhere Lebenserwartung nimmt die Zahl der Menschen mit chronischen Erkrankungen zu
  • Beim Future Forum 2018 formulierten ExpertInnen Empfehlungen zur Sicherung der zukünftigen medizinischen Versorgung in Österreich

Die Arbeitsgemeinschaft Neurologie Salzburg InnerGebirg (ANSIG) hat heuer zum zweiten Mal das Future Forum, im Jakobskreuz auf der Buchensteinwand in Tirol, abgehalten. Die Veranstaltung - die 2018 vom 14. bis 15.09 stattfand - dient dazu, hochkarätigen Expertinnen und Experten jährlich eine interdisziplinäre Diskussionsplattform zu bieten, die primär die Patientenversorgung der Zukunft in den Fokus stellt. Merck Österreich, ein Wissenschafts- und Technologieunternehmen, unterstützte auch 2018 diese Experten-Veranstaltung.  Die Zielsetzung des Future Forums ist die Erarbeitung von Empfehlungen, um das hohe Niveau der medizinischen Betreuung von Patienten - insbesondere mit chronischen neurologischen aber auch Krebs-Erkrankungen - in Österreich erhalten zu können.

Kritische Diskussion und Thesenbildung im Vordergrund

Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus, Präsident der ANSIG: „Die Entwicklung in der Medizin verläuft rasant. Der Einsatz neuer Methoden und Techniken unter Zuhilfenahme der Möglichkeiten der modernen Medien und EDV-technischen Entwicklung verheißt in den nächsten Jahren einen Durchbruch in der Heilung bzw. Linderung vieler Erkrankungen. Auf der anderen Seite stehen jedoch viele ungelöste Probleme wie die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft, ein Mangel an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal oder aber auch datenschutzrechtliche Bedenken und Tendenzen der Auflösung der Solidargemeinschaft. Daher braucht es Weitblick und eine offene, multidisziplinäre Diskussion, um mögliche Fehlentwicklungen baldmöglichst zu erkennen und zu korrigieren, aber auch um sich bietende Chancen bestmöglich zu nutzen.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurden wichtige Herausforderungen identifiziert und Empfehlungen in Thesenform formuliert.

Medizin 2025 -  Die Kernthesen im Überblick:

1. Digitale Interaktion wird auch im Gesundheitssystem immer wichtiger, das heißt:

Deep learning kommt!

z.B. Biomarker und möglicherweise auch Medikamente werden zukünftig von künstlicher Intelligenz /AI identifiziert.

Artificial Intelligence (AI) hilft uns in der Krebstherapie!

z.B. personalisierte Krebstherapie durch molekulares Phenotyping.

Block Chain & Big Data wird auch im Gesundheitsbereich relevant!

z.B. als Konzept für den Umgang mit der elektronischen Krankenakte.
z.B. mehr Sicherheit für gesundheitsbezogene Daten, da jeder Einzelne die Oberhoheit über den Zugang zu seinen Daten in Form eines Zugangscodes behalten kann.
z.B. im Zusammenhang mit der Verifikation von Daten entlang von Lieferketten.

2. Der Anstieg chronischer wohlstandsassoziierter Erkrankungen erfordert neue Strategien

Das Selbstmanagement und die Eigenverantwortung jedes Patienten werden immer wichtiger.
Gesundheitskommunikation muss patientengerecht in sehr viel einfacherer und bildhafter Sprache erfolgen; diesbezüglich muss die Ausbildung der Mediziner verbessert werden. Es ist unter diesem Gesichtspunkt notwendig, den Patienten (auch) als Konsumenten zu betrachten, dem Anreize geboten werden, sich Gesundheit zu „leisten“.
Der Zeitaufwand für ärztliche Patientenberatung wird im Laufe der kommenden Jahrzehnte mutmaßlich konstant bleiben und sich nicht durch „Computer-Algorithmen“ ersetzen lassen.

3. Die Veränderung der Alterspyramide bringt einen deutlichen Anstieg an neurologischen, chronischen Erkrankungen

Demenz, Parkinson, MS und Schlaganfall werden überproportional ansteigen!
Die Forderung „Qualität vor Quantität“ ist von hohem Zeitaufwand für Patientenkontakte nicht zu trennen.
Qualitätsgefährdende Partikularinteressen müssen identifiziert und bekämpft werden, da das Ausschlachten eines engen Sektors des Gesundheitssystems dem Bestand des Ganzen schadet.

4. Solidarität als moralische Kompetenz jedes Einzelnen wird immer notwendiger!

Solidarität kann jeder Einzelne üben und lernen; das Spannungsfeld zwischen gesundheitsbewussten Mitgestaltern und desinteressierten Trittbrettfahrern des Gesundheitssystems muss sukzessive abgebaut werden.  
Gerade in der Primärprävention ist Solidarität besonders wichtig: z.B. schadet die irrationale Ablehnung von Impfungen weniger dem Wohl des Einzelnen als vielmehr dem Wohl der Gesamtheit.

5. Die Ökonomie im Gesundheitssystem muss stärker berücksichtigt werden!

Eine Effizienzsteigerung im Gesundheitssystems kann begünstigt werden z.B. durch Ermöglichung eines Wettbewerbs zwischen Gesundheitsanbietern, z.B. Krankenkassen und anderen Versicherungen;
Durch transparente Verbreitung der realen materiellen Werte von medizinischen Leistungen und Medikamenten, und damit durch Schaffung eines Bewusstseins für den tatsächlichen Wert von Gesundheit.

Die Empfehlungen der Teilnehmer des Future Forums werden im „neurologisch”, dem Fachmagazin der ÖGN publiziert  und werden Entscheidungsträgern zugänglich gemacht.

Dozent Kraus abschließend: „Auch nächstes Jahr wird sich das Future Forum aktuellen Fragen widmen und Experten, aus unterschiedlichen Fachbereichen im Umfeld des Gesundheitswesens, zum bereits traditionellen Gedankenaustausch und zur kritischen Diskussion einladen.“  

Die TeilnehmerInnen des Future Forums 2018 (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Univ.-Prof. Dr. Eduard Auff, Facharzt für Neurologie & Psychiatrie, Wien
  • Univ.-Prof. Dr. Florian Deisenhammer, Univ.-Klinik für Neurologie, MedUni Innsbruck
  • Univ.-Prof. DDr. Fred Harms, Institut für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung, Sigmund Freud Privat Universität, Wien
  • Mag. Thomas Hillebrand, MBA, Senior Advisor PwC
  • Prim. Dr. Michael Huemer, Leitung Neurologie, Kardinal Schwarzenberg Klinikum, Schwarzach im Pongau
  • Dr. Barbara Kolm, Präsidentin des Friedrich August v. Hayek Instituts und Direktorin des Austrian Economics Center
  • Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Neurologie Salzburg InnerGebirg (ANSIG)
  • Univ.-Ass. Dr. phil. habil. Claudia Paganini, Institut für Christliche Philosophie, Innsbruck
  • Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Zentrum für Public Health der MedUni Wien; Karl Landsteiner Gesellschaft
  • Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg R. Weber, Abteilungsvorstand Neurologische Abteilung, Klinikum Klagenfurt
  • DDr. med. Wolfgang Wein, Managing Director Merck Österreich
  • Univ.-Prof. Dr. Heinz Zwierzina, Abteilung für Hämatologie und Onkologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin, MedUni Innsbruck