FCIO: Innovation Day Pharma: 300 Millionen Euro für die Entwicklung neuer Therapien

Chemische Industrie zeigt Vielfalt der Innovationen in der Pharmaforschung in Österreich

Die Entwicklung von Antibiotika, die Ausrottung der Pocken durch Impfungen oder die moderne Krebsforschung mit ihren Gen- und Zelltherapien. Keine andere Branche leistet einen so zentralen Beitrag zur Verlängerung der Lebenszeit wie die Pharmaindustrie. Auch die heimischen Unternehmen stehen bei Innovationen mit an der Weltspitze. In welchen Bereichen und mit welchen Erfolgen sich die in Österreich ansässigen Pharmafirmen engagieren, präsentierten sie beim diesjährigen Innovation Day Pharma des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). Dabei konnten die Vortragenden zukünftigen Patienten eine hoffnungsvolle Botschaft überbringen: Bei der Entwicklung innovativer Medikamente zur Bekämpfung schwerwiegender Krankheiten werden weltweit große Fortschritte gemacht. Auch wegen der immer stärker werdenden internationalen Vernetzung. Ein Schwerpunkt in den heimischen Forschungseinrichtungen der Pharmaunternehmen liegt in der Krebsforschung. Hier wird an Wirkstoffen und Behandlungsformen gearbeitet, die in einigen Jahren die Bekämpfung von unterschiedlichen Krebsformen revolutionieren werden können. Ebenso im Bereich der Verbesserung von Impfstoffen und bei der Optimierung von Prozessen bei der Arzneimittelherstellung gibt es starke Impulse von heimischen Unternehmen. „Die Bandbreite der Pharmaforschung ist in Österreich recht groß. Mehr als 300 Millionen Euro werden jährlich in die Entwicklung neuer Medikamente, Therapien und in Prozessoptimierungen investiert. Erfreulich ist dabei auch, dass die Forschungsausgaben in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Davon profitieren letztendlich die Patienten, die in Österreich Zugang zu den innovativsten Therapien erhalten“, betont Ilse Bartenstein, Obfrau der pharmazeutischen Industrie im FCIO, die Bedeutung der Pharmaforschung.

Impfungen, Krebs, Verfahrenstechnik – die Revolution kommt aus dem Labor

Bei den Präsentationen des Innovation Day zeigte sich, welche hohe Bedeutung die internationale Zusammenarbeit in der Pharmaforschung hat. Etwa bei der Entwicklung von sogenannten „molekularen Schlüsseln“ gegen Krebs bei Boehringer Ingelheim. Forscherteams an verschiedenen Standorten des Unternehmens arbeiten intensiv an Verfahren um krebsverursachende Faktoren wirksam zu bekämpfen und konnten dabei in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielen. Auch Novartis forscht an Möglichkeiten, schwerwiegende Erkrankungen zurückzudrängen. Mit Hilfe von Gen- und Zelltherapien werden schon heute erfolgreich Patienten mit angeborener Sehschwäche oder angeborenen Rückenmarksdefekten behandelt. In Zukunft sollen auch solide Tumore mit dieser Technik behandelt werden können. Innovationen im Bereich der Veränderung von DNA zur Behandlung von Krankheiten stellte die Firma Merck vor. Sie zeigte die Bedeutung der Methode der sogenannten Genschere CRISPR auf und welche revolutionären Möglichkeiten sie für die moderne Medizin bietet. Wie bedeutend Innovationen bei Impfungen für die Lebenserwartung und die Lebensqualität sind, betonte Pfizer Biopharmaceuticals. In der Vergangenheit ist es durch Impfstoffe gelungen, Krankheiten wie Polio oder die Pocken auszurotten und auch in Zukunft werden innovative Vaccine, etwa gegen Prostatakrebs, große Bedeutung bei der Ausweitung von gesunden Lebensjahren von Patienten haben. Auch die Wichtigkeit des Kampfs gegen Impfskepsis wurde betont. Der Beitrag von Takeda befasste sich vor allem mit der Optimierung von Produktionsprozessen. Durch die sogenannte „Kontinuierliche Produktion“ wird Platzbedarf reduziert, Stillstände zwischen verschiedenen Produktionsschritten vermieden und gleichförmigere Qualität gesichert, was zu einem verbesserten Output bei der Arzneimittelherstellung führt. Thermo Fischer Scientific stellte verfahrenstechnische Innovation für die Entwicklung wirtschaftlicher, umweltschonender und sicherere chemischer Produktionsverfahren vor, die für innovative pharmazeutische Wirkstoffe eingesetzt werden.

Forschungsförderung, Patentschutz und angemessene Preise entscheidend

Neben Erfindungsreichtum und Innovationskultur sind auch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Österreich steht bei der Entwicklung innovativer Medikamente und bei der Versorgung der heimischen Bevölkerung mit hochqualitativen Arzneimitteln zwar noch gut da. Diese herausragende Stellung ist jedoch in Gefahr. Ein Blick auf die weltweiten Forschungsausgaben zeigt das deutlich. Während die Investitionen in Forschung & Entwicklung in den USA im Pharmabereich kräftig steigen und sich diese in China und Indien in den letzten fünf Jahren verdoppelt haben, stagnieren sie in Europa. Um der mit internationalen Entwicklung Schritt halten zu können, muss die Politik die richtigen Weichen stellen. Ein entscheidender Punkt ist die Erkenntnis, dass es wirksame Medikamente nicht zum Schleuderpreis geben kann. Das gilt sowohl für die verlässliche, qualitativ hochwertige Produktion von Generika als auch für innovative Therapien. Um ein Arzneimittel zu entwickeln, muss ein Unternehmen viel Zeit und Geld investieren. Der Prozess von der Entwicklung eines neuen Wirkstoffes zum fertigen und zugelassenen Produkt dauert im Durchschnitt zwölf Jahre und kostet eine Milliarde Euro. Bei einer Patentlaufzeit von 20 Jahren bleiben gerade einmal acht Jahre, um die getätigten Investitionen wieder hereinzubringen und Gewinne zu erwirtschaften, die in weiterer Folge wieder zu einem großen Teil in die Medikamentenforschung fließen. Jede Aufweichung des Patentschutzes würde sich somit negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Pharmaindustrie auswirken. Damit Pharmaunternehmen in Europa weiterhin in der Lage sind, neue Therapien zu erforschen, braucht es deshalb stabile und nachhaltige Rahmenbedingungen. „Nur mit dem richtigen Maßnahmenmix aus angemessenen Preisen für Medikamente, einer ausreichenden Forschungsförderung und einem Patentschutz, der weitere Innovationen ermöglicht, werden wir weiter an der Weltspitze bei der Entwicklung lebenswichtiger Arzneimittel bleiben und den Österreichern die die bestmöglichen Medikamente zur Verfügung stellen können“, so Ilse Bartenstein.

Über den FCIO:

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich. Derzeit vertritt der Verband etwa 250 Unternehmen aus der chemischen Industrie, welche neben der Kunststoff- und Pharmaindustrie auch die Produktion von organischen und anorganischen Chemikalien, Chemiefasern und Lacken umfassen. Mehr als 45.000 Beschäftigte in der chemischen Industrie haben 2018 Waren im Wert von über 16 Milliarden Euro hergestellt. Der FCIO setzt sich für einen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen und attraktiven Chemiestandort Österreich mit einem forschungs- und technologiefreundlichen Umfeld ein. www.fcio.at