Hunde (Canis familiaris) sind ein beliebtes Modell in der vergleichenden Kognitionsforschung. Traditionelle Forschungsparadigmen stützen sich oft auf eine starke Einbeziehung der Versuchsleiter:innen, was zu Verzerrungen und Inkonsistenzen führen kann. Der Einsatz von Technik bietet hier laut Studien-Erstautorin Siqi Yang-Fu vom Domestication Lab des KLIVV eine Lösung: „Touchscreen-basierte automatisierte Systeme verbessern die Standardisierung, verringern den Einfluss von Versuchsleiter:innen und erhöhen die Datenqualität. Außerdem sind sie in der Forschung mit verschiedenen Tierarten bereits weit verbreitet.“
In der Hundeforschung spielen Touchscreens bislang jedoch keine große Rolle. Das zeigt die Meta-Studie mit ihrer systematischen Übersicht von Studien zu Hundeverhalten und -kognition in Bezug auf Touchscreen-basierte Methoden. Touchscreen-basierte Studien sind äußerst selten – die Forschenden konnten nur 14 solcher Publikationen identifizieren.
Hindernisse überwinden …
Einem breiteren Einsatz der Technologie stehen laut Studien-Co-Letztautorin Friederike Range, Stellvertretende Leiterin des KLIVV, derzeit vor allem drei Hindernisse gegenüber: „Einerseits handelt es sich dabei um technische Hindernisse, wie beispielsweise die Notwendigkeit interdisziplinärer Kompetenzen. Praktische Barrieren sind hohe Kosten sowie ein langes und aufwendiges Training mit den Tieren. Hinzukommen artspezifische Einschränkungen, dazu zählen „Umwelt“-Hindernisse wie etwa das Antippen des Touchscreens mit der Schnauze.“ Die Studienautor:innen nennen konkrete Strategien zur Überwindung dieser Hindernisse, darunter den Einsatz von Open-Source-Lösungen, die verstärkte Kooperation von Forschungseinrichtungen und die Entwicklung von Apparaturen, die besser auf die „Umwelt“ der Hunde abgestimmt sind.
… und vielversprechende Vorteile nützen
„Touchscreen-basierte Methoden sind vielversprechend für den Fortschritt der Verhaltensforschung an Hunden“, resümiert Studien-Co-Letztautor Tiago Monteiro vom Domestication Lab/KLIVV. Durch eine kooperative, offene und hundezentrierte Herangehensweise ließen sich laut Tiago solche Ansätze in größerem Umfang integrieren. Das würde die Reproduzierbarkeit von Studienergebnissen verbessern und helfen, neue Erkenntnisse schneller zu gewinnen sowie objektive Indikatoren zum Verhalten und den kognitiven Fähigkeiten von Hunden zu erhalten.
Die Studie „On the (limited) use of touchscreen-based behavioural and cognitive research with dogs: potential causes and future directions“ von Siqi Yang-Fu, Christian Menne, Chiara Canori, Dániel Rivas-Blanco, Oli Green, Friederike Range und Tiago Monteiro wurde in „Animal Cognition“ veröffentlicht.
Rückfragekontakt:
Tiago Monteiro, PhD
Domestication Lab/Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
tiago.monteiro@vetmeduni.ac.at