Uni Wien: Wiener Friedhöfe: Orte der Ruhe und der Biodiversität

Thomas Filek und Doris Nagel koordinieren am Institut für Paläontologie der Uni Wien ein Citizen Science-Projekt zur Erfassung der biologischen Vielfalt an "Orten der Ruhe". Vor allem alte Friedhöfe bieten wichtige Rückzugsräume für bedrohte Tiere und Pflanzen. Wer bei der Grabpflege einfache Regeln befolgt, unterstützt den Artenschutz und ein Netzwerk der Natur in der Stadt.

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Ruhe und des Gedenkens, sondern auch vielfältige Lebensräume: Sie bieten gerade in dicht besiedelten städtischen Bereichen Rückzugsräume für bedrohte Tiere und Pflanzen. In einem neuen Citizen Science-Projekt am Institut für Paläontologie der Universität Wien wird erhoben, welche Arten gesichtet werden: "Füchse, Rehe, Hamster, zahlreiche Vogel- und Insektenarten – die Liste der tierischen Friedhofsbewohner in Wien ist lang", erklärt Thomas Filek vom Institut für Paläontologie der Universität Wien.

"Eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen biologischen Vielfalt der Wiener Friedhöfe steht jedoch noch aus", so der Biologe, der auch an der Plattform für Didaktik der Naturwissenschaften tätig ist. Gemeinsam mit der Paläontologin Doris Nagel koordiniert er das Projekt "BaF – Biodiversität am Friedhof", das von der Stadt Wien sowie der Wiener Friedhöfe GmbH, die 46 der 55 Wiener Friedhöfe verwaltet, gefördert wird.

Auch stark gefährdete Arten wie der Wiedehopf (Upupa epops) im Bild oben oder die Äskulapnatter (Zamenis longissimus, Syn.: Elaphe longissima) wurden bereits in einzelnen Untersuchungen erfasst. Vor allem alte Friedhöfe sind hier willkommene Lebensrauminseln im Betonmeer der Stadt - im Bild unten eine Gottesanbeterin (Mantis religiosa). (© Martina Konecny)

Um ein vollständiges Bild der Artenvielfalt zu bekommen, baut das Projektteam auf die Mithilfe von Bürger*innen als "Citizen Scientists": "Zwar erhalten wir immer wieder Sichtungsmeldungen von den Angestellten der Friedhöfe, doch nur wenn sich auch viele Friedhofsbesucher*innen über das Jahr hinweg beteiligen, können wir eine wirklich umfangreiche Datenbasis aufbauen, in der beispielsweise auch Zugvögel entsprechend erfasst sind", sagt Doris Nagel. Das Forschungsteam bittet daher um die Zusendung von Fotos und Sichtungsformularen entweder per App Wildtiere, den Kooperationspartner "Stadtwildtiere.at" oder einfach per Mail.

Mitmachen und Biodiversität schützen:

  • Entdecken Sie eine Pflanze, Tier oder Pilz auf einem Wiener Friedhofsareal.
  • Schicken Sie uns ein Foto auf baf.pal[at]univie.ac.at, nutzen Sie das Sichtungsformular unserer Kooperationspartner Stadtwildtiere.at oder nutzen Sie die Handy-App "Wildtiere". Teilen Sie uns Informationen über Zeit und Ort Ihrer Sichtung mit.
  • Wir helfen bei Bestimmungen und Sie helfen mit, die Biodiversität unserer Stadt zu schützen!

Netzwerk der Natur als Korridore

Auch Kot oder Haare von Tieren sowie Pflanzen und Pilze werden im Rahmen des Projektes erfasst: "Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über die biologische Vielfalt der Wiener Friedhöfe zu erhalten. Nur so können wir auch einschätzen, ob diese Orte der Ruhe, nicht nur die letzten Rückzugsräume von Arten in der Stadt sind, sondern auch im Sinne eines Netzwerkes der Natur als Korridore funktionieren", erklärt Filek.

Mithilfe des Kooperationspartners Wiener Friedhöfe GmbH – sie verwalten 46 der 55 Wiener Friedhöfe und unterstützen das Projekt sehr engagiert – werden auch weitere Kooperationen, unter anderem mit der Stadtarchäologie und Archäozoologie, angedacht, um auch die historischen Bestandsveränderungen zu erfassen.

"Schließlich ist der Friedhof zwar ein Ort der Ruhe, aber gerade in der Grabpflege und den Traditionen auch großen Veränderungen unterworfen", sagt Nagel. Gerade bei der Grabpflege kann auch jede*r Einzelne einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten, betont das Projektteam. (red)

Gerade in einer Stadt, deren Bedarf an Wohnfläche immer weiter steigt, könnten Parks und Friedhöfe eine wichtige Schnittstelle zwischen urbaner Gestaltung und dem Erhalt von Biodiversität darstellen, so das Projektteam, das um zahlreiche Hinweise bittet. (© Martina Konecny)

Tipps zur nachhaltigen Grabpflege

  • Pflanzen Sie heimische, standortgerechte und insektenfreundliche Arten statt Neophyten – verwenden Sie beispielsweise Thymian und Wildtulpe an sonnigen Standorten, Efeu, Immergrün oder Wurmfarn im Schatten. Dabei muss die Bepflanzung nicht unbedingt arbeitsintensiv sein: Eine Kombination aus immergrünen Bodendeckern, Kleinsträuchern, Frühlings- und Sommerblühern bringt über viele Monate Farbtupfer aufs Grab und liefert Nahrung für Insekten.
  • Auch wenn sie oft schwierig zu bekommen sind: Versuchen Sie heimische Schnittblumen statt importierten zu verwenden.
  • Verwenden Sie wiederverwendbare oder kompostierbare Trauerkränze und Grabgebinde (z.B. als Zapfen, getrockneten Fruchtständen oder dekorativen Rindenteilen).
  •  Verwenden Sie wiederbefüllbare Glaslichter statt LED-Kerzen und elektrischen Grablichtern, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. Vermeiden Sie Kerzen mit Palmöl oder anderen wenig nachhaltigen Ölverbindungen in Plastikbechern.
  • Als Alternative zu den üblichen Sargmaterialien bietet sich Holz von heimischen Föhren an.

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