Barbara Scheiber-Mojdehkar und Brigitte Sturm vom Zentrum für Pathobiochemie und Genetik der MedUni Wien haben einen völlig neuen Therapieansatz zur Behandlung der neurodegenerativen Krankheit Friedreichs Ataxie entdeckt und dafür die Goldmedaille bei der Korea International Women`s Invention Exposition KIWIE 2010 erhalten. Heute fand die Überreichung durch Bundesministerin Dr.in Beatrix Karl statt.
Die Friedreichs Ataxie (FRDA) ist eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste erbliche Form dieser Störungen der Bewegungskoordination. Da sie sehr langsam fortschreitet, wird sie meist auch relativ spät diagnostiziert und eine wirkungsvolle medikamentöse Therapieform besteht zur Zeit nicht.
Umso bedeutender ist die Entdeckung von Ao. Prof.in Mag.a Dr.in Barbara Scheiber-Mojdehkar und Ass. Prof.in Mag.a Dr.in Brigitte Sturm, beide vom Institut für Medizinische Chemie am Zentrum für Pathobiochemie und Genetik der MedUni Wien. Sie haben herausgefunden, dass die zu geringe Produktion des mitochondrialen Proteins Frataxin, die zur Erkrankung führt, durch die Behandlung mit Erythropoietin erhöht werden kann.
Erythropoietin ist ein in der Anämiebehandlung bereits seit langem verwendetes Medikament und die Ergebnisse aus mehreren klinischen Studien mit Erythropoietin für die Behandlung von Friedreichs Ataxie Patienten, die in Zusammenarbeit mit der Medizinische Universität Innsbruck, Abteilung für Neurologie durchgeführt wurden, sind sehr vielversprechend.
Für diese Erfindung, die von der MedUni Wien aufgegriffen und im Rahmen des Uni:Invent Programmes gefördert wurde, konnte bis dato in sechs Ländern Patentschutz angemeldet werden, wovon mehrere Patente bereits erteilt wurden. „Damit besteht für die betroffenen PatientInnen erstmals die Chance auf eine kausale Therapie, bei der durch Behandlung mit Erythropoietin die Frataxin Produktion angekurbelt werden kann.“, erläutert Scheiber-Mojdehkar die Bedeutung dieser Erfindung.
Zu den Personen
Ao. Prof.in Mag.a Dr.in Barbara Scheiber-Mojdehkar, geb. 1964, studierte Chemie, Studienzweig Biochemie, an der Universität Wien und arbeitete dann an ihrer Dissertation auf dem Gebiert des Eisenstoffwechsels am Institut für Medizinische Chemie und promovierte 1996 im Fach Biochemie. Auch während ihrer kurzen Karenzierungen führte sie ihre durch international eingeworbene Drittmittel finanzierte Forschungsprojekte über parenterale Eisenpräparate und die Entwicklung einer Therapie für Friedreichs Ataxie kontinuierlich weiter.
2007 habilitierte sie sich für das Fach Biochemie an der Medizinischen Universität Wien. Weiters weist sie eine ausgedehnte Vortragstätigkeit bei internationalen Kongressen auf und erhielt mehrere Preise und Stipendien. Scheiber-Mojdehkar ist anerkannte Expertin auf dem Gebiet des Eisenstoffwechsels und der Friedreichs Ataxie und Reviewer bei zahlreichen renommierten medizinisch-wissenschaftlichen Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Neurologie, Hämatologie und Nephrologie. Darüber hinaus war und ist sie im alten und neuen Medizincurriculum in der Lehre tätig.
Ass. Prof.in Mag.a Dr.in Brigitte Sturm, geb. 1974, studierte von 1995-2000 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Ernährungswissenschaften. Ihre Doktorarbeit (2000-2003) absolvierte sie an der Medizinischen Universität Wien am Institut für Medizinische Chemie bei Univ. Prof. Dr. Hans Goldenberg und promovierte 2003 mit Auszeichnung. Nach einem Forschungsaufenthalt am Murdoch Children´s Research Institut, Royal Children´s Hospital in Melbourne, Australien, hat sich Brigitte Sturm 2007 an der Medizinischen Universität Wien im Fach Biochemie habilitiert.
Sturm, die sich zuerst auf dem Gebiet des Eisenstoffwechsels spezialisierte, schaffte im Team mit Ao.Univ. Prof.in Dr.in Barbara Scheiber-Mojdehkar den Übergang „from Bench to Bedside“ indem sie ihre Expertise aus dem Eisenstoffwechsel in die Entwicklung von Therapieansätzen für die neurodegenerative Erkrankung Friedreich´s Ataxie einfließen ließ. Sturm erhielt nationale und internationale Preise und Stipendien für ihre Arbeiten.
Aufgrund zahlreicher erfolgreicher Arbeiten und der Entdeckung des Therapieansatzes mit Erythropoietin zählt Brigitte Sturm auf dem Gebiet der Friedreich´s Ataxie international zu den führenden WissenschafterInnen.