- Heute hat die Firma f-star Biotechnologische Forschungs- und Entwicklungsges.m.b.H eine weitreichende Zusammenarbeit mit der Firma Boehringer-Ingelheim bekannt gegeben, in deren Rahmen unter Einsatz von f-star’s Antikörperengineering-Technologie neue therapeutische Antikörper und Antikörperfragmente enwickelt werden sollen. Abhängig von der Realisierung von Zwischenzielen („Milestones“) hat die Zusammenarbeit ein potentielles Gesamtvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro. Es handelt sich dabei um einen der größten Deals die je von einer österreichischen Biotech Startup Firma abgeschlossen wurden.
In diesem Zusammenhang erlaubt sich die Universität für Bodenkultur Wien auf die Entstehungsgeschichte von f-star hinzuweisen. Die dieser Firma zu Grunde liegende Technologie zum Engineering von Antikörpern geht auf eine Erfindung und Entwicklung der zwei BOKU-WissenschafterInen Florian Rüker und Gordana Wozniak-Knopp zurück, die zu den Mitgründern von f-star zählen und heute eng mit f-star im Rahmen des Christian Doppler Labors für Antikörperengineering zusammenarbeiten. Die BOKU sieht es als sehr großen Erfolg ihrer Wissenschafter, dass ihnen eine derart erfolgreiche Firmengründung gelungen ist. BOKU-Rektor Martin Gerzabek: „Es kommt nicht oft vor, dass wissenschafliche Entwicklungen so erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. Ich beglückwünsche meine KollegInnen, dafür den Grundstein gelegt zu haben und diese Initiative gestartet zu haben. Für die BOKU stellt diese einen ganz außerordentlichen Erfolg dar.“ Prof. Florian Rüker: „Ich freue mich sehr dass unsere Technologie zum Engineering von Antikörpern von f-star so erfolgreich umgesetzt und weiterentwickelt wird. Die heute angekündigte Zusammenarbeit zwischen f-star und Boehringer Ingelheim stellt einen wichtigen Schritt in Richtung therapeutischer und wirtschaftlicher Umsetzung des von uns entwickelten „Modular Antibody Engineering“ dar.“
In der Gruppe um Prof. Florian Rüker - gemeinsam mit Dr. Gordana Wozniak-Knopp vom Department für Biotechnologie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) - wurde die Technologie des „Modular Antibody Engineering“ entwickelt, mit der zusätzliche Bindungsstellen in Antikörpern geschaffen werden. Darauf aufbauend wurde die f-star GmbH gegründet, die nun therapeutische Antikörper und Antikörperfragmente entwickelt und eng mit Prof. Rüker an der BOKU im Rahmen des Christian Doppler Labors für Antikörperengineering kooperiert.
Die ForscherInnengruppe erreichte den 2. Platz beim science2business award 2008, der für die beste Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft vergeben wird. Bereitgestellt wird der mit insgesamt 12.000 Euro dotierte Preis vom Bundesministerium für Wirtschaft Familie und Jugend.
Woran wird geforscht
Monoklonale Antikörper (mAks) zählen heute mit einem Umsatz von über EUR 20 Mrd. zu den klinisch erfolgreichsten biotechnologisch hergestellten Medikamenten. Die Arbeitsgruppe von Prof. Florian Rüker konnte einen wesentlich Schritt in Richtung neuer, verbesserter Generationen von mAks machen. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass durch gezieltes Engineering der sogenannten konstanten Regionen von mAks neue, zusätzliche Bindungsstellen in diese eingebaut werden können.
Diese Bindungsstellen können z.B. eingesetzt werden, um bispezifische Antikörper herzustellen, die nicht nur an ein, sondern an zwei verschiedene Antigene binden können, oder um Antikörper mit einer erhöhten Dichte an Bindungsstellen zu versehen, und sie damit besonders fest an das jeweilige Antigen binden zu lassen. Ein weiterer Einsatzbereich ist das Engineering von Antikörperfragmenten, die bei stark verringerter Molekülgröße ähnliche Eigenschaften wie ein vollständiger Antikörper aufweisen.
Das Ziel der Anwendung dieser Technologie ist es, mAks mit verbesserter Wirksamkeit bei gleichzeitig verringerten Nebenwirkungen herzustellen und damit bedeutende Vorteile in der medizinischen Anwendung zu erzielen.
Kooperation zwischen f-star GmbH und BOKU
Phase 1: Forschungsprojekt an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)
Das „Modular Antibody Engineering“ nahm seinen Ausgang in der Arbeitsgruppe von Prof. Florian Rüker am Department für Biotechnologie. Hier wurde die Idee geboren, gemeinsam mit Dr. Gordana Wozniak-Knopp wurden erste proof of concept Experimente durchgeführt, und durch eine frühe Patentanmeldung wurde die IP (intellectual property) gesichert. Durch den enormen therapeutischen und wirtschaftlichen Erfolg der monoklonalen Antikörper und darauf aufbauender „Next Generation Technologies“ wurde bald klar, dass hier an der BOKU nicht nur eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit, sondern auch eine Entwicklung mit äußerst hohem therapeutischem und kommerziellem Potential gelungen war.
Phase 2: Unternehmensgründung mit Unterstützung der Universität Basierend auf den erfolgreichen Vorarbeiten an der BOKU, sowie finanziell unterstützt durch das universitäre Gründerzentrum inits und das Preseed-Programm der AWS, entschloss sich Prof. Rüker gemeinsam mit wirtschaftlich erfahrenen Mitgründern im Juni 2006 zur Gründung der f-star GmbH mit dem Ziel, die Technologie des „Modular Antibody Engineering“ weiterzuentwickeln, auf eine breite finanzielle Basis zu stellen und zu kommerzialisieren. Die Gründer der f-star GmbH waren: Univ.Prof. DI Dr. Florian Rüker, Dipl. Biol. Dr. Gordana Wozniak-Knopp, DI Dr. Gottfried Himmler und Dr. Geert Mudde.
Die f-star GmbH finanzierte sich eigenständig durch Förderungen wie das Seedprogramm der AWS und das Basisprogramm der FFG sowie bereits Ende 2006 über den Kapitalmarkt im Rahmen einer Venture Capital Finanzierung. Um dem jungen Unternehmen einen schnellen Start zu ermöglichen, wurde eine Infrastrukturvereinbarung mit der BOKU geschlossen, die den Start der f-star GmbH direkt im Labor der Arbeitsgruppe Rüker an der BOKU ermöglichte.
In der Startphase, bis Herbst 2007, fungierte Prof. Dr. Rüker neben seiner Tätigkeit an der BOKU auch als Chief Scientific Officer (CSO) der Firma f-star.
Phase 3: Klare Rollenteilung, enge Kooperation Im Herbst 2007 gelang f-star eine weitere Venture Capital Finanzierung im Ausmaß von EUR 9 Mio. Das dadurch ermöglichte organisatorische Wachstum führte dazu, dass das Unternehmen die Labors an der BOKU verließ und in eigene Labors in Wien übersiedelte. f-star beschäftigt inzwischen mehr als 20 Mitarbeiter in Wien sowie an seinem zweiten Standort in Cambridge (UK).
Die Zusammenarbeit zwischen f-star und der Arbeitsgruppe von Prof. Rüker basiert seither organisatorisch auf gemeinsamen Projekten mit einer klaren Rollenteilung: f-star arbeitet an der Anwendung des „Modular Antibody Engineering“, um Produktkandidaten zu identifizieren und zu entwickeln, während an der BOKU primär grundlagen-wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt werden, die der Weiterentwicklung und Verbreiterung der technologischen Basis dienen und die jederzeit in die praktische Umsetzung im Rahmen von f-star überführt werden können.
Diese Zusammenarbeit wird durch die Christian Doppler Forschungsgesellschaft sowie durch f-star finanziell unterstützt. Den Rahmen dazu bietet das 2009 an der BOKU gegründete Christian Doppler Labor für Antikörperengineering, welches von Univ.Prof. Dr. Christian Obinger (Department für Chemie, BOKU) geleitet wird. Prof. Rüker agiert als Leiter eines der Module des Christian Doppler Labors für Antikörperengineering. Er ist auch Mitglied des Scientific Advisory Boards der Firma f-star. Weitere Mitglieder des Scientific Advisory Boards von f-star sind Sir Gregory Winter, Cambridge, Sir Ravinder Maini, London, sowie Prof. Dr. Anthony Rees, Lund.
Fazit
Die beschriebene Kooperation stellt in allen Phasen ein Musterbeispiel für die effiziente wirtschaftliche Umsetzung einer akademischen Erfindung dar, die nur durch das perfekte Zusammenspiel sowie die Kreativität und Flexibilität von Universität, Unternehmens-Gründern, Fördergebern und Investoren möglich wurde. Das große Interesse der Pharmaindustrie an der Technologie des „Modular Antibody Engineering“ unterstreicht dessen potentielle Bedeutung für die Entwicklung neuer Generationen von verbesserten Antikörpern. Die heute angekündigte Zusammenarbeit zwischen f-star und Boehringer Ingelheim beweist eindrucksvoll die Bedeutung, die der an der BOKU entwickelten Antikörperengineering-Technologie beigemessen wird.
Rückfragehinweis
ao. Univ.Prof. DI Dr. Florian Rüker Universität für Bodenkultur Wien Department für Biotechnologie Christian Doppler Labor für Antikörper Engineering Muthgasse 18 A-1190 Vienna, Austria
Mobil: +43 664 7501 1958 Festnetz: +43 1 47654 6240 Fax: +43 1 47654 6652 Detaillierte Informationen über f-star finden sich auf www.f-star.com.