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CeMM entschlüsselt Synergie-Effekt beim kombinierten Einsatz zielgerichteter Blutkrebsmedikamente

Der Gruppe des Wissenschaftlichen Direktors Giulio Superti-Furga ist es am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW erstmals gelungen, die Wirkmechanismen einer Kombinationstherapie gegen Chronisch Myeloische Leukämie (CML) auf systembiologischer Ebene zu entschlüsseln. In integrativen molekularbiologischen Analysen und in Zellen betroffener Patienten konnte gezeigt werden, dass Resistenzen gegen Monotherapien mit einer Wirkstoffkombination überwindbar sind.

(Wien, 30.9.2012)  Die modellhafte  Untersuchung von Kombinationstherapien bei Blutkrebs zeigt das Potential der  molekularmedizinischen Forschung für das Verständnis komplexer Krankheiten und mögliche  Therapien. Die Arbeit wurde am 30. September 2012 im advanced online vom renommierten  Fachjournal Nature Chemical Biology publiziert.  bene durch eine reziproke Translokation von Chromosom 9 und 22 gekennzeichnet ist. Dieses  genetische Ereignis bewirkt die Bildung der in der Natur nicht vorkommenden Fusionskinase BCRABL.  Dieses Enzym weist kontinuierlich aktive Signaleigenschaften auf, die einen  Wachstumsvorteil bewirken und - davon abhängig - das Wachstum der betroffenen Leukämie-  Klone begünstigen. Zur wirksamen Bekämpfung wurden deshalb mehrere Medikamente  entwickelt, die darauf abzielen, BCR-ABL gezielt zu blockieren. Die Wirkstoffe haben nicht nur die  Behandlung der CML revolutioniert, sondern sind auch ein Modellbeispiel für das Konzept der  wirkungsvollen, zielgerichteten Krebstherapie. Leider können, wie in der großen Mehrheit der  therapeutischen Ansätze gegen Krebs, im Laufe der Behandlung Resistenzen entstehen.

Die  Medikamente werden aufgrund von Mutationen in Krebsgenen wirkungslos. Während gegen die  meisten dieser Mutation therapeutische Optionen existieren, gibt es aber auch Ausnahmen, wie die  sogenannte Gatekeeper-Mutation, die mit zielgerichteten Molekülen nicht therapierbar ist.  In diesem Therapie-resistenten Setting hat Erstautor Georg Winter, PhD-Student und Mitarbeiter  des Forschungslabors von Giulio Superti-Furga in einer Kooperation mit zwei weiteren CeMMLaboratorien  ( Keiryn L. Bennett, Massenspektrometrie, Jacques Colinge, Bioinformatik), dem  Massachusetts Institute of Technology MIT, Cambridge, Massachusetts, (Laborleiter Forest M.  White) und der Medizinischen Universität Wien (Peter Valent) nun im Rahmen der vorliegenden  CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin GmbH der Österreichischen Akademie der Wissenschaften  Lazarettgasse 14, AKH BT 25.3, 1090 Wien, Austria, Tel. +43-1/40160-70011, office@cemm.oeaw.ac.at, www.cemm.at  Studie systematisch jeweils zwei der bekannten Medikamente gekoppelt untersucht. Die Analyse  des therapeutischen Potentials der Kombinations-Therapie hat gezeigt, dass sich die Kombination  zweier Therapeutika, Danusertib und Bosutinib als besonders wirkungsvoll erweist und hochsynergetisch  den Zelltod in therapieresistenten Modellen induziert. In der Folge konnte diese  Wirkweise auch im Mausmodell und in Zellen von Patienten bestätigt werden.  Es hat sich gezeigt, dass beide zielgerichteten Wirkstoffe eine poli-pharmakologische Wirkweise  haben und nicht nur an einem Protein binden sondern an einem ganzes Spektrum, bestehend aus  jeweils 30-40 Proteinen ansetzen. So kann die Kombination der beiden BRC-ABL-Inhibitoren trotz  Therapie-Versagen in der Monotherapie erfolgreich sein und durch seine Wirkung auf das  molekulare Netzwerk den Zelltod herbeiführen. 

„Das Besondere und Neue an unserer Studie ist nicht nur das Ausloten eines möglichen Einsatzes  von Kombinations-Therapien bei Resistenzen, es ist vor allem der komplexe, postgenomische  Ansatz, der es uns ermöglicht, ein Verständnis für die Erkrankung und die Wirkweise von  Medikamenten auf Systemebene zu entwickeln“, so Giulio Superti-Furga, Studienleiter und  Wissenschaftlicher Direktor des CeMM: „Die Studie unter Einbeziehung verschiedenster  molekularmedizinischer Analysemethoden hat deshalb Modellcharakter und könnte ein Schub für  die internationale systempharmakologische Forschung sein.“  Die Arbeit wurde in Nature Chemical Biology publiziert und ist von unmittelbarer Relevanz für das  wachsende Feld der Systempharmakologie. Sie wurde zum Teil über Mittel der "GEN-AU"  Initiative des Bundeministeriums für Wissenschaft und Forschung und aus Mitteln des FWF  finanziert.  Georg E. Winter1#, Uwe Rix1#§, Scott M. Carlson2†, Karoline V. Gleixner4, Florian Grebien1, Manuela Gridling1, André C Müller1,  Florian P. Breitwieser1, Martin Bilban3, Jacques Colinge1, Peter Valent4,5, Keiryn L. Bennett1, Forest M. White2 and Giulio  Superti-Furga1. Systems-pharmacology dissection of a drug synergy in imatinib resistant CML. Nature Chemical Biology.  1CeMM Research Center for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences, Vienna, Austria; 2Department of Biological  Engineering and Koch Institute for Integrative Cancer Research, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, Massachusetts,  USA; 3Clinical Institute for Medical and Chemical Laboratory Diagnostics, Medical University of Vienna, Vienna, Austria 4Department  of Internal Medicine I, Division of Hematology and Hemostaseology, Medical University of Vienna, Vienna, Austria; 5Ludwig  Boltzmann Cluster Oncology, Vienna, Austria  CeMM - Kurzprofil  Das CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften arbeitet an einer  patientengerechteren, personifizierten Medizin der Zukunft und an einer zielgerechteren klinischen Wertschöpfung der  Grundlagenforschung. Es verfolgt eine anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Molekularmedizin durch die  Zusammenführung und gegenseitige Beeinflussung von Grundlagen- und klinischer Forschung, wobei Krebs, Entzündungsprozesse  und immunologische Krankheiten zu den wichtigsten Forschungsgebieten zählen.

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