Wissenschaftler am Wiener Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) haben einen bisher unbekannten molekularen Sensor in der menschlichen Zelle entdeckt, der in der Lage ist krankheitserregende Viren zu entlarven und zugleich ein Alarmsignal an den Körper auszusenden. Die Ergebnisse der Studie, die unter Leitung des wissenschaftlichen CeMM Direktors Giulio Superti-Furga durchgeführt wurde, werden heute vorab in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature Immunology publiziert. Das neu entdeckte Protein, genannt AIM2, patrouilliert in menschlichen Immunzellen. Sobald es verdächtige DNA entdeckt, möglicherweise von einem angreifenden Virus oder Bakterium, löst es die Sekretion des Signalproteins Interleukin-1 aus. Dieser Entzündungsmediator aktiviert einen Invasionsalarm im gesamten Körper. Das Molekül ist einer der wesentlichen Auslöser für Fieber und ein zentraler Mediator für Autoimmunkrankheiten. CeMM ist somit die Entdeckung eines zentralen Moleküls des menschlichen Verteidigungsapparates gegen Krankheitserreger gelungen.
„Die Identifizierung dieses Moleküls stellt eine große Besonderheit dar. Es hilft uns, die unmittelbaren Reaktionen des Körpers auf Infektionen besser zu verstehen. Wir befinden uns zwar noch in einem sehr frühen Stadium der Erforschung dieses Moleküls, in Zukunft könnte AIM2 aber dazu verwendet werden, die Schutzfunktionen des menschlichen Organismus – zum Beispiel im Falle von Epidimien – zu verbessern“, betont Tilmann Brückstümmer, Erstautor der Studie.
Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler am CeMM stammen von einer groß angelegten, systematischen Suche nach menschlichen Proteinen, die krankheitserregende Moleküle binden. Drei weitere Forschergruppen aus Worcester, Philadelphia und Adelaide veröffentlichen zur selben Zeit in den Journalen Nature und Science die Entdeckung des gleichen Proteins, was die Bedeutung der Forschungsergebnisse am CeMM unterstreicht.
„Ich bin sehr stolz, dass unser Forschungszentrum zu einer so wichtigen Entschlüsselung im Bereich der Immunologie beitragen konnte. Das ist ein Beweis dafür, dass CeMM als österreichische Forschungseinrichtung in der internationalen Spitzenforschung mitspielt – und das erst wenige Jahre nach der Gründung und kurz vor Einzug in das neue Gebäude. Unser Ziel ist es jetzt, gemeinsam mit den Partnern an der Medizinischen Universität Wien dieses Protein weiter zu erforschen, unter anderem wenn es darum geht heraus zu finden, ob Dysfunktionen des Proteins AIM2 mit Autoimmunkrankheiten – bei denen eine zu große Anzahl an Entzündungssignalen produziert wird - in Verbindung zu bringen sind “, ergänzt Superti-Furga.
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