Experten für Fadenwürmer treffen sich zu einer internationalen Tagung an der Universität für Bodenkultur in Wien. Die meist mikroskopisch kleinen Fadenwürmer, auch Nematoden genannt, sind zwar kaum sichtbar, spielen aber in vielen Lebensbereichen eine große Rolle. Auf der Tagung an der BOKU stehen die für die Landund Forstwirtschaft schädlichen oder nützlichen Nematodenarten im Vordergrund. 300 Experten aus aller Welt beschäftigen sich vor allem mit den Bekämpfungsverfahren gegen die Schädlinge bzw. mit der Förderung und Produktion der Nützlinge unter den Würmern.
Fadenwürmer oder Nematoden spielen eine wichtige Rolle in praktisch allen Bereichen der Natur. Zwar meist winzig klein, aber dafür ungeheuer vielfältig – das ist das Erfolgsrezept dieser Tiergruppe. Die nach den Insekten artenreichsten Nematoden leben vor allem im Boden meist von Mikroben oder als Parasiten in anderen Tieren oder Pflanzen. Mensch und Haustiere machen als Krankheitserreger Bekanntschaft mit ihnen (z.B. Spulwurm und Flussblindheit). Die Biologie der Nematoden macht sie auch zu idealen Modelltieren und damit zur Grundlage von bisher drei Nobelpreisen für Medizin bzw. Chemie.
Viele Arten befallen als Schädlinge Wurzeln und Spross von landwirtschaftlich wichtigen Pflanzen. In Europa sind das vor allen die so genannten Wurzelgallen- und Zystennematoden im Gemüse-, Zuckerrüben- und Getreideanbau. Zunehmende Trockenheit lässt gerade diese Nematoden immer wichtiger werden. Neuerdings wurde der für die Forstwirtschaft hoch gefährliche Kiefernnematode aus Asien nach Europa eingeschleppt und breitet sich bedrohlich aus.
Andererseits leben viele Nematodenarten als Parasiten von Insekten und Schnecken, die ihrerseits wichtige Schädlinge sind. So wurden bereits einige Nematodenarten für den biologischen Pflanzenschutz zugelassen. Trotz eines komplizierten Lebenszyklus können sie schon heute in Bioreaktoren in großen Mengen produziert werden.
Auf der Tagung an der BOKU präsentieren und diskutieren rund 300 Experten aus aller Welt ihre neuesten Forschungsergebnisse aus der molekularbiologischen Grundlagenwissenschaft bis hin zum angewandten Pflanzenschutz. Neuerdings lassen sich Nematoden auch als so genannte Bioindikatoren einsetzen, die den Zustand z.B. von Böden anzeigen. Erkannt wird die Zusammensetzung der Nematodenfauna dabei fast automatisch anhand von genetischen Markern.
30th International Symposium of the European Society of Nematologists 19. – 23. September 2010 an der Universität für Bodenkultur Wien
Kontakt
Univ.Prof. Dr. Florian M.W. Grundler INRES - Molekulare Phytomedizin Universität Bonn c/o Universität für Bodenkultur Wien Peter Jordan-Str. 82 1190 Wien Mail: grundler(at)boku.ac.at
Tel: 01/47654 3351