„Baxter nimmt jetzt in Wien Donaustadt eine der international größten, modernsten und effizientesten Anlagen zur Trennung von Plasmabestandteilen („Plasmafraktionierung“) in Betrieb“, so Mag. Markus Reinhard, Vorstand der Baxter AG und Geschäftsführer der Baxter Innovations GmbH vor Journalisten. Damit wird Wien endgültig zur „Weltmetropole der Plasmaverarbeitung“. Das Besondere 1an dieser Anlage ist ihre Fähigkeit, aus dem wertvollen Rohstoff humanes Plasma in einer durchgängigen Prozesskette alle verwertbaren Fraktionen zu gewinnen, um daraus 18 unterschiedliche Arzneimittel produzieren zu können. Herkömmliche Fraktionierungsanlagen schaffen deutlich weniger Bestandteile.
Das hat praktische Konsequenzen: „Je mehr Plasmabestandteile isoliert werden können, desto breiter ist die Palette der daraus herstellbaren Medikamente“, so Ing. Christine Schmatz, Leiterin der Produktionsbetriebe von Baxter BioScience Österreich. „Mit der neuen Anlage können wir alles ausschöpfen, was der wertvolle Rohstoff humanes Plasma in sich birgt: bis hin zum letzten Protein, nichts geht verloren. Somit sind wir nicht nur innerhalb des international tätigen Baxter-Konzerns ganz vorne, sondern auch im Vergleich mit unseren Mitbewerbern in der Gesundheits-Branche führend.“
1,7 Mio. Liter humanes Plasma pro Jahr: Ein Grundstoff für moderne, sichere Arzneimittel
Die neue Produktionsstätte in der Wiener Industriestraße 131 setzt Maßstäbe, so Dipl. Ing. Karl-Heinz Hofbauer, Leiter der Plasmafraktionierung, Baxter BioScience Österreich: „Hier werden aus rund 1,7 Millionen Liter humanem Plasma pro Jahr lebenswichtige Medikamente hergestellt. Alleine in die Erweiterung und Modernisierung der Fraktionierungsgebäude und -anlagen hat Baxter in den vergangenen drei Jahren mehr als 70 Millionen US-Dollar investiert.“
Bei der Plasmafraktionierung werden pharmazeutisch wertvolle Eiweißstoffe aus humanem Plasma gewonnen. Also jener Flüssigkeit, in der die weißen und roten Blutkörperchen transportiert werden, und die hoch differenzierte Proteine enthält. Aus diesen Plasmaproteinen werden im Interesse kranker Menschen sichere und hochqualitative Medikamente hergestellt:
• Spenderplasma enthält für die Blutgerinnung verantwortliche Proteine, die zu Arzneimittel für Patient/-innen mit Hämophilie A und B weiterverarbeitet werden.
• Immunglobuline ersetzen für Menschen mit angeborener Immunschwäche die fehlenden Komponenten des körpereigenen Abwehrsystems und bewahren sie vor massiven Beeinträchtigungen durch permanente Infektionskrankheiten.
• Humanalbumin stabilisiert den kolloid-osmotischen Druck bei großem Blutverlust und ist aus der Notfallmedizin nicht mehr wegzudenken.
• Plasmatische Gewebskleber verschließen Wunden mit den gleichen Mechanismen wie der Körper selbst und haben zu einer Revolution moderner chirurgischer Techniken geführt.
• Alpha-1-Antitrypsin ist ein Protein, das Körpergewebe vor Entzündungs-induzierenden Enzymen schützt und das Leben von Menschen mit ererbtem Lungenemphysem entscheidend verlängern bzw. das Fortschreiten der Erkrankung bremsen kann.
Österreichisches Know-how entscheidend für Sicherung des Standortes
„Dass der weltweit tätige Konzern Baxter diese Produktionsstätte in Wien errichtet hat, ist das Ergebnis unseres globalen, in vielen Jahren konsequent entwickelten Vorsprungs an Know-how und Zuverlässigkeit hier an unserem Standort Österreich“, so Dipl. Ing. Hofbauer. Es war also letztlich das Vertrauen des Konzerns in die außergewöhnliche Erfahrung und die hohe Einsatzbereitschaft österreichischer Spezialist/-innen dafür verantwortlich, dass Baxter den Standort in Wien weiterentwickelt und dadurch 100 zusätzliche Arbeitsplätze in der Fraktionierung geschaffen hat.
Kreativ-logistische Meisterleistung setzt neue Standards
„Wir haben die Herausforderung bestanden, die Anlage stückweise bei voller Produktionsfähigkeit zu modernisieren, und dabei Maßstäbe gesetzt“, berichtet Dipl. Ing. Hofbauer. Einige Beispiele:
• Während der gesamten Projektrealisierung über drei Phasen 2007 bis 2009 kam es insgesamt zu nur 24 Wochen Produktionsstillstand, aufgrund entsprechender Vorproduktion jedoch zu keinerlei Lieferausfällen.
• In einigen Projektphasen mussten alte und neue Anlagen zum Zweck behördlicher Genehmigungen parallel betrieben werden.
• Das neue Dach mit etwa 2000 m2 wurde zunächst über dem alten errichtet. Dadurch blieb die Stillstands-Zeit bei dessen Abriss und der Errichtung der nötigen Reinräume, die strengste hygienische Bestimmungen erfüllen müssen, auf wenige Tage beschränkt.
• Während der drei Projektjahre wurde kein einziger der Tag-genau geplanten Termine verfehlt.
• Die veranschlagten Kosten wurden exakt eingehalten.
Österreich ist weltweit größter zusammenhängender Baxter-Standort; 500 Millionen USD in die Standortentwicklung investiert
Insgesamt beschäftigt Baxter in Österreich mehr als 3.600 Mitarbeiter/-innen (weltweit: 48.000). Das macht das Unternehmen zu einem der größten Arbeitgeber des Landes, und Österreich zum größten zusammenhängenden Baxter-Standort. Mehr als ein Drittel der Mitarbeiter/-innen des Baxter-Bereichs BioScience sind heute in Österreich beschäftigt. Von hier aus wird auch die globale BioScience-Forschung geleitet, der Großteil der F&E Mitarbeiter/innen sind in Wien und in Orth/Donau tätig.
Mag. Reinhard: „Seit Baxter 1996 die Immuno AG übernahm, schuf das Unternehmen 1.650 neue Arbeitsplätze und investierte in den letzten Jahren mehr als 500 Millionen USD in die Standortentwicklung.“
Produktion für 85 Länder – Nähe zu Forschung & Entwicklung ist enormer Standortvorteil
In Österreich werden 22 Baxter-Produkte hergestellt, davon 18 aus humanem Plasma. 80 Prozent aller Baxter-BioScience-Produkte werden zur Gänze in Österreich hergestellt oder durchlaufen in einer bestimmten Phase des Produktionsprozesses ein Baxter-BioScience-Werk in Österreich. Produziert wird in Wien Donaustadt und Orth an der Donau für 85 Länder weltweit. Mehr als 2000 Mitarbeiter/-innen sind hier rund um die Uhr in der Produktion aktiv. Die gesamte Produktionsfläche von Baxter BioScience in Österreich entspricht 25 Fußballfeldern.
„Diese Produktionsstätten sind bei konsequent betriebener Kapazitätserweiterung und kontinuierlich steigenden Mitarbeiter/-innen-Zahlen organisch gewachsen“, so Ing. Schmatz. „Dass die weltweite Forschung und Entwicklung von Baxter BioScience von Wien aus geleitet wird, erweist sich für die Produktion als enormer Standortvorteil: Die Nähe zu F&E ermöglicht es, Verbesserungen und neue Produkte rasch in der Produktion zu implementieren.“
Know how und Expertise sind Schlüsselfaktoren in der Entscheidung für Investitionen. Ing. Schmatz: „Gerade jüngst wurde für unseren Standort Wien Donaustadt ein Investitionspaket von 143 Mio. USD zum Ausbau der Produktionskapazitäten sowie der Implementierung eines weiteren Baxter-Produktes genehmigt. Die Realisierung wird in den nächsten drei Jahren erfolgen.“
Tag für Tag für die ganze Welt produzieren
Um 85 Länder von einer Betriebsstätte aus mit lebenswichtigen Arzneimitteln versorgen zu können, sind enorme logistische und regulatorische Leistungen nötig. Ing. Schmatz: „Durch den Umbau wurden unsere Produktionsanlagen auf den modernsten Stand der Technik gebracht und die Kapazität am Standort Industriestraße wesentlich ausgebaut. Die Flexibilität wurde gesteigert, die Durchlaufzeiten wurden signifikant verbessert. Von der Anlieferung des kontrollierten humanen Plasmas aus den Plasmaspende-Zentren bis zum fertig verpackten Endprodukt finden alle Schritte am Wiener Standort statt. Damit können wir jetzt die Menschen, die unsere Produkte tagtäglich brauchen, noch kundengerechter versorgen.“
Produktion für die ganze Welt bedeutet aber auch enorme Komplexität: Jedes Bestimmungsland fordert spezielle Verpackungen und Beipacktexte in der Landessprache. Viele Staaten schreiben eigene Lizenzierungs- und Abnahmeverfahren vor, die punktgenau umgesetzt werden müssen. „Also ist jede Packung, die unser Werk verlässt, speziell“, sagt Ing. Schmatz: „Insgesamt müssen wir täglich mit über 1.100 unterschiedlichen Produkt-Codes umgehen.“
Appell an die Politik: Schätze müssen gepflegt werden
Standortvorteile in Österreich sind nicht naturgegeben bzw. zufällig, so Mag. Reinhard: „Es sind gleichsam Schätze, die hart erarbeitet wurden und die kontinuierlich gepflegt werden müssen, wenn man sie erhalten und weiter wachsen lassen möchte. Der Vorsprung, der Österreich für Baxter als Herstellungs-Standort so attraktiv macht, besteht in den Zukunftsbereichen Biotechnologie, Technische Chemie und Verfahrenstechnik. Doch er wird nur bestehen bleiben, wenn dafür geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden und erhalten bleiben. Diese müssen in einer entsprechenden Wirtschafts- und Steuerpolitik, vor allem aber in zukunftsorientierten Maßnahmen für die Aus- und Weiterbildung bestehen.“
Gerade in diesem Bereich müsse von Seiten der öffentlichen Hand weiter investiert werden: „Denn hier liegt die Zukunft unseres Landes als Industrie- und Technologiestandort. In diesem im internationalen Wettbewerb Erfolgs-entscheidenden Bereich kurzfristig zu denken, und zu sparen um des Sparens willen, hat mittel- und langfristig prekäre Folgen für Österreich“, warnt Mag. Reinhard. „Wir von Baxter sind bereit unseren Beitrag im Rahmen unserer Möglichkeiten zu leisten, doch braucht es dazu auch Rahmenbedingen, die dies ermöglichen.“
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