Sechs medizinische Forschergruppen aus Wien wurden für ihre wissenschaftlichen Anstrengungen belohnt: Heute, Donnerstag, fand im Großen Sitzungssaal der Ärztekammer für Wien die Verleihung des Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer für Wien 2007 sowie des Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG 2007 statt.
Mit dem ersten Preis des Theodor-Billroth-Preises wurde Valentin Fuhrmann von der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III ausgezeichnet.
Gasaustauschstörung der Lunge auch bei akuter Leberschädigung
In der prämierten Arbeit untersuchten Fuhrmann und seine Co-Autoren Patienten mit hypoxischer Hepatitis - besser bekannt als "Schockleber" - auf das Vorhandensein des hepatopulmonalen Syndroms, einer bisher vor allem bei chronischen Lebererkrankungen bekannten Gasaustauschstörung der Lunge infolge einer Erweiterung der Lungenblutgefäße.
Diese Veränderung konnte bei mehr als 40 Prozent der untersuchten Patienten festgestellt werden. In einer Verlaufskontrolle mehrere Wochen nach Rückbildung der hypoxischen Hepatitis konnte die intrapulmonale Gefäßweitstellung im Sinne eines hepatopulmonalen Syndroms nicht mehr nachgewiesen werden. Damit konnte erstmalig an einem Patientenkollektiv gezeigt werden, dass das hepatopulmonale Syndrom auch bei akuter Leberschädigung auftritt und nach Normalisierung der Leberfunktion reversibel ist.
Die beiden weiteren Billroth-Preisträger sind Ursula Unterberger vom Klinischen Institut für Neurologie und Julia Szendrödi von der 1. Medizinischen Abteilung des Hanusch-Krankenhauses.
Bessere Diagnostik bei X-chromosomaler Adrenoleukodystrophie
Zielsetzung der Arbeit Unterbergers war es, für die Diagnosesicherung der X-chromosomalen Adrenoleukodystrophie (X-ALD), einer Erbkrankheit, die meist im Kindesalter auftritt und einen schnellen neurologischen Verfall mit sich bringt, anstelle der bisher praktizierten aufwändigen Analyse von Fibroblastenkulturen aus Gewebeproben der Haut eine Untersuchungsmethode an Zellen aus dem peripheren Blut zu entwickeln. Die überlangkettigen Fettsäuren, die bei X-ALD Patienten erhöht sind, können so - unabhängig von Ernährungseinflüssen - mit einer einfachen Blutabnahme rasch, kostengünstig und für den Probanden minimal invasiv bestimmt werden. Zusätzlich ist mit dieser Methode eine deutlich zuverlässigere Identifizierung von Erbträgerinnen für X-ALD möglich.
Basis für neue therapeutische Konzepte bei Typ 2 Diabetes
Szendrödis Arbeit beschäftigt sich mit der Beeinträchtigung der Energieproduktion im Skelettmuskel von Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus. Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die bei unzureichender Therapie zur Schädigung kleiner Blutgefäße und in der Folge zu Erblindung und Nierenversagen führt und andererseits das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls drastisch erhöht. Eine herabgesetzte Wirkung von Insulin ist ein früher Schritt in der Entwicklung des Typ 2 Diabetes. Aufdeckung der ursächlichen Mechanismen der Insulinresistenz ist daher ein Schlüssel zur Bekämpfung dieser weltweiten Epidemie.
Szendrödi und Co-Autoren bestimmten mithilfe der nicht invasiven Magnetresonanzspektroskopie die in vivo Funktion der "Kraftwerke" der Zelle (Mitochondrien) anhand des Energiestoffwechsels (ATP-Synthese) im Muskel von jüngeren und älteren Gesunden sowie bei Patienten mit Typ 2 Diabetes. Die Forscher fanden, dass die Mitochondrienfunktion der Typ 2 Diabetiker im Vergleich zu gesunden jungen und älteren Menschen beeinträchtigt ist. Das Ausmaß der Funktionseinschränkung des Energiestoffwechsels ist stark von den Blutfetten und vom Grad der Insulinresistenz, aber - im Gegensatz zu früheren weit gehend aus Tierversuchen abgeleiteten Vorstellungen - weniger von der Größe der Fettspeicher des Muskels, vom Zuckertransport in den Muskel oder vom Alter selbst abhängig. Diese Ergebnisse legen die Basis zur Entwicklung neuer therapeutischer Konzepte bei Typ 2 Diabetes. (hpp)
Erste Preisträgerin des diesjährigen Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG ist Sylvia Knapp von der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin I.
Knapp beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit oxidierten Phospholipiden. Das sind Nebenprodukte von Entzündungen, deren biologische Bedeutung bei bakteriellen Infektionen bislang noch nicht untersucht wurde. Knapps Arbeit unterstreicht nun die Bedeutung dieser Lipide und beschreibt erstmals, dass oxidierte Phospholipide die Aufnahme von Bakterien durch Fresszellen (Makrophagen) hemmen und dadurch das Überleben bei Sepsis signifikant verschlechtern.
Die weiteren Preisträger des Forschungsförderungspreises der Erste Bank sind Thomas W. Weiss vom Wilhelminenspital sowie Gabor Kovacs vom Klinischen Institut für Neurologie.
Weiss konnte in seiner Arbeit eine neue Rolle für den Botenstoff Oncostatin M (OsM) als schützende Substanz bei Schlaganfall bestimmen. OsM wird in den meisten Zellen des zentralen Nervensystems produziert. Eine Funktion von OsM im Zentralnervensystem ist bisher noch nicht beschrieben. In ihrer Arbeit haben Weiss und seine Mitarbeiter in vitro und in vivo Modelle des ischämischen Schlaganfalls verwendet, um eine spezifische Funktion für OsM im Nervensystem zu untersuchen. In ihren ersten Versuchen hat sich gezeigt, dass OsM in etwa 50 Prozent der Zellen vor einer Schädigung schützen kann. Behandelt man die Nervenzellen mit OsM vor, so kann man eine Zellschädigung gänzlich verhindern. Als einen möglichen Mechanismus fanden die Autoren eine Veränderung der Genregulation sowie einen verminderten Kalziumeinstrom in die Zelle. Im Tiermodell fanden die Autoren zusätzlich eine deutliche Größenminderung des geschädigten Areals. Damit wurde OsM als bedeutende neuroprotektive Substanz im zentralen Nervensystem erkannt, wobei eine weitere Erforschung der Funktion von OsM in diesem Kompartment besonders in Hinblick auf die Schlaganfalltherapie interessant erscheint.
In der Studie von Kovacs wurde das endosomal-lysosomale System, welches eine große Rolle im Proteinabbau spielt, mit immunhistochemischen und morphometrischen Methoden untersucht. Dabei wurde eine hirnregionsspezifische Beteiligung dieses Systems bei Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gefunden, was einen möglichen neuen Ansatzpunkt für Therapiestrategien darstellt.
Beide Auszeichnungen hängen eng miteinander zusammen: Eine vom Vorstand der Wiener Ärztekammer eingesetzte Jury unter Vorsitz von Michael Weissel vom Wiener AKH beurteilt die eingereichten Arbeiten beider Preise. Die Preisverleihungen nahmen Ärztekammerpräsident Walter Dorner sowie Herbert Bielesz von der Erste-Bank vor. (hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle Dr. Hans-Peter Petutschnig Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222 Fax: (++43-1) 51501/1289
mailto:hpp(at)aekwien.at
www.aekwien.at
Ärztekammer und Erste Bank prämieren wissenschaftliche Arbeiten
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