ÖVIH: Europa: Die FSME-freien Zonen werden immer weniger

FSME-Schutz vor Reisen überprüfen

Das Netz mit FSME*-Endemiegebieten wird immer dichter. In Österreich gilt ohnehin das ganze Land als solches. Doch mittlerweile werden auch immer mehr FSME-Fälle in den nordischen Ländern, in Großbritannien oder den mediterranen Gebieten Kroatiens entdeckt. Da man sich im Urlaub mehr als sonst im Freien aufhält, steigt damit auch die Gefahr einer FSME-Infektion. Wer sich also bisher in den Ferien im Ausland sicher wähnte und deswegen auf eine FSME-Impfung oder -Auffrischung verzichtete, setzt sich damit möglicherweise einer Infektion aus. Expert:innen raten daher, den Impfschutz regelmäßig, aber spätestens vor einer Reise überprüfen und gegebenenfalls auffrischen zu lassen. Dann muss man sich auch zu Hause keine Sorgen machen.

FSME nun auch britisch [1]

Bis 2019 genoss man im Vereinten Königreich das Privileg, von FSME verschont zu sein. Doch vor fünf Jahren wendete sich das Blatt. In mehreren Regionen wurde das Virus erstmalig in Zecken nachgewiesen. 2020 auch beim Menschen. 2022 gab es sogar eine Infektion in Schottland und eine weitere im Nordosten des Landes. Das bedeutet, dass nicht nur ein kleiner Herd identifiziert wurde, sondern, dass das Virus mittlerweile in unterschiedlichen Teilen Großbritanniens verbreitet ist.

FSME-infizierte Zecken in Skandinavien auf dem Vormarsch [2]

Ein Blick von Großbritannien nach Nordosten – konkret nach Skandinavien – zeigt, dass das FSME-Virus auch dort endemisch geworden ist. Im Rahmen des ScandTick-Innovation-Projekts wurden knapp 30.000 Zecken an 50 Standorten in Dänemark, Südnorwegen und Südschweden getestet. Ernüchterndes Ergebnis: 20 der 50 Standorte wurden positiv auf FSME getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass FSME in Dänemark weiter verbreitet ist, als bis dato vermutet wurde und dass es sogar neue FSME-Herde entlang des norwegischen Oslofjords gibt. Dabei verdichten sich die Hinweise, dass die Luftfeuchtigkeit für die Verbreitung von FSME von wesentlicher Bedeutung ist.

Die finnischen Ålandinseln – eine Inselgruppe in der Ostsee mit aufstrebendem Tourismus – gelten sogar als hyperendemisch für FSME und Lyme-Borreliose (LB). Vor der Einführung des kostenfreien Impfprogramms 2006 lag die Prävalenz bei etwa 6 %. [3] „Das ist eine weit höhere Infektionsrate, als wir sie in Österreich vor der Einführung der FSME-Impfung hatten“, erläutert OA Dr. Hermann Laferl, Leiter der Infektionsambulanz der Klinik Favoriten. „Diese Zahl zeigt deutlich, dass man selbst in den nördlichen Ländern nicht vor FSME sicher ist.“

FSME auch im Süden

Ähnliches gelte auch für den Süden. Bereits seit 1961 wurden FSME-Foci in den mediterranen Gebieten Zadar, Pula und auf der Insel Brač gefunden. In kontinentalen Gegenden teilweise sogar schon früher. Übrigens wurde FSME nicht nur bei Tieren wie Pferden und Rindern entdeckt, sondern auch bei Menschen. [4] Im Nachbarland Serbien gibt es ebenfalls FSME, wenngleich noch wenig dokumentiert und unterschätzt. [5]

Wenig bekannt: Übertragung über nicht pasteurisierte Milch

„Neben der Übertragung durch Zeckenstiche führt der zweite Infektionsweg über die Verdauung, konkret über den Verzehr von nicht pasteurisierter Milch und Milchprodukten“, erklärt Experte Laferl. „Auch in Österreich hat es bereits solche Fälle gegeben.“ In Polen wurden erst 2022 wieder FSME-Fälle gemeldet, die eindeutig über den Konsum von Milchprodukten zustande gekommen sind. [6] „Die Impfung schützt selbstverständlich auch vor diesen Infektionen“, betont Laferl. „Sie wirkt außerdem bei allen drei Subtypen des Virus.“ Das ist insofern wichtig, als sich auch die vorherrschenden Subtypen verschieben. Der sibirische Subtyp, der als der krankmachendste gilt und – wie der Name schon sagt – normalerweise in Sibirien vorkommt, scheint sich weiter in den Westen auszubreiten. Er konnte mittlerweile bereits in den baltischen Ländern, Finnland und Schweden nachgewiesen werden. [7] „Ein Grund mehr, sich impfen beziehungsweise auffrischen zu lassen“, so Laferl.

Auch kurzfristige Impfung möglich

Die Grundimmunisierung für Erwachsene besteht aus drei Impfungen. Für Kinder gibt es einen eigenen Kinderimpfstoff (eine Impfung ist ab dem vollendeten ersten Lebensjahr empfohlen). Die erste Auffrischung sollte drei Jahre nach der Grundimmunisierung erfolgen, die weiteren

Auffrischungsimpfungen bis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle fünf Jahre und ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle drei Jahre.

Wer verabsäumt hat, sich rechtzeitig vor dem Sommerurlaub – egal ob im In- oder Ausland – impfen zu lassen, kann sich auch noch in den letzten beiden Wochen vorher immunisieren lassen. In der Sommerzeit ist schließlich nicht für die Urlauber:innen Hochsaison, sondern auch für Zecken. Hausärzt:innen sowie Reisemediziner:innen beraten gerne.

* Frühsommer-Meningoenzephalitis

Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen und Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im österreichischen Gesundheitswesen.

[1] https://go.ots.at/kyu1PIQg, zuletzt abgerufen am 14. Mai 2025.

[2] Lamsal et al. Prevalence of tick-borne encephalitis virus in questing Ixodes ricinus nymphs in southern Scandinavia and the possible influence of meteorological factors, Zoonoses Public Health. 2023.

[3] Carlströmer Berthen et al., The AxBioTick study: Borrelia species and tick-borne encephalitis virus in ticks, and clinical responses in tick-bitten individuals on the Aland Islands, Finland Microorganisms. 2023;11(5):1100.

[4] Vilibic-Cavlek et al., Current status of vector-borne diseases in Croatia: Challenges and future prospects

Life (Basel). 2023;13(9):1856.

[5] Banovic et al., Evidence of tick-borne encephalitis virus neutralizing antibodies in Serbian individuals exposed to tick bites. Front. Microbiol. 2023;14:1314538.

[6] Wójcik-Fatla et al., The consumption of raw goat milk resulted in TBE in patients in Poland, 2022 “case report”

Pathogens. 2023;12(5):653.

[7] Pedersen et al., Development of a real-time PCR method for the detection of European and Siberian subtypes of tick-borne encephalitis virus, Microbiol Res. 2023;14(4):1545-1558.

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