Umweltbundesamt: Human-Biomonitoring in Europa

Wissenschaft und Politik für gesunde Bürgerinnen und Bürger

Im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes versammeln sich am 28. September 250 internationale Experten und Expertinnen aus 35 Staaten zur „Human Biomonitoring“ Konferenz in Wien. „Human-Biomonitoring“ ist ein Frühwarnsystem, das die Belastungen von Bürgerinnen und Bürgern mit Umweltschadstoffen aufzeigt. Zudem werden die bisherigen Ergebnisse der ersten EU-weiten Initiative HBM4EU diskutiert.

„Österreich hat sich in den letzten Jahren stark für eine europäische Politik an der Schnittstelle von Umwelt und Gesundheit eingesetzt. Die heutige Konferenz präsentiert Meilensteine hochkarätiger Expertinnen und Experten und ist eine wichtige Grundlage für die europäische Chemikalien- und Umweltpolitik“, erläutert Josef Plank, Generalsekretär im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und gemeinsam mit dem Umweltbundesamt Veranstalter der Konferenz.

„Europaweit harmonisierte und vergleichbare Daten sind wichtige Eckpfeiler für die Vorsorge und den Umgang mit schadstoffbedingten Risiken“, betont Georg Rebernig, Geschäftsführer im Umweltbundesamt. Er leitet die High-Level Diskussion über die Zukunft von Human-Biomonitoring in Europa, an der u.a. Hans Bruyninckx, Direktor der Europäischen Umweltagentur, Björn Hansen, der Exekutive Direktor der Europäischen Chemikalienagentur sowie Hans Verhagen von der Europäischen Agentur für Ernährungssicherheit teilnehmen.

Belastung und gesundheitliche Effekte

Ob Kunststoffweichmacher in Lebensmittelverpackungen, Pestizidrückstände in Lebensmitteln, perfluorierte Substanzen in Textilien – Menschen sind im täglichen Leben einem komplexen Gemisch von Chemikalien ausgesetzt. Die Chemikalien gelangen über die Umwelt, durch Konsumgüter, Lebensmittel oder Trinkwasser in den menschlichen Organismus. Beim Human-Biomonitoring werden Umweltchemikalien und ihre Stoffwechselprodukte in Muttermilch, Blut und Urin gemessen. Die Resultate liefern Hinweise auf mögliche Gesundheitsauswirkungen und darauf, wie eine Belastung vermindert oder vermieden werden kann. Ziel ist es darüber hinaus, mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Schadstoffbelastungen geschlechter- und altersspezifisch zu untersuchen. So lässt sich erforschen, welche Faktoren die Belastung erhöhen können, wie beispielsweise der Lebensstandard der belasteten Menschen, der Lebensstil, die Ernährung und verschiedene Umweltbedingungen. Human-Biomonitoring dient als Frühwarnsystem, um Belastungen durch neue Substanzen zu entdecken und zugleich als Erfolgskontrolle bestehender Verbote und Beschränkungen

Österreichische Human-Biomonitoring Plattform

Seit 2007 sind Fachleute aus Wissenschaft und Verwaltung, die sich mit Human-Biomonitoring befassen, in der Österreichischen Plattform Human-Biomonitoring unter der Leitung des Umweltbundesamtes vernetzt. Die Plattform ist seit 2016 das offizielle Beratungsgremium des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus und Vorreiter für Human-Biomonitoring in Österreich.

Europäische Human-Biomonitoring Plattform HBM4EU

Mit Jänner 2017 startete die länderübergreifende Initiative für Human-Biomonitoring in der EU, HBM4EU. HBM4EU kombiniert die Informationen über die toxikologisch-gesundheitlichen Wirkungen von Umweltchemikalien mit den Belastungsdaten des Human-Biomonitoring und trägt somit einen wesentlichen Anteil bei, diesen Zusammenhang besser zu verstehen. Das Umweltbundesamt leitet als nationale Kontaktstelle die österreichischen Beiträge und ist Hauptansprechpartner für die EU-Kommission und die europäischen Partner. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus ist „Programm-Eigentümer“ in Österreich, Thomas Jakl, Leiter der Abteilung Chemiepolitik und Biozide ist Vorsitzender des Leitungsgremiums.

Im Rahmen von HBM4EU arbeiten über 100 Organisationen aus 28 Ländern in den nächsten vier Jahren daran, Human-Biomonitoring-Aktivitäten in Europa zu verknüpfen, auszuweiten und die Methode als Werkzeug der europäischen Umwelt-, Chemikalien- und Gesundheitspolitik zu verankern. Bis zum Jahr 2022 soll eine einheitliche Datengrundlage auf EU-Ebene und eine langfristige Perspektive für dieses wichtige Vorhaben geschaffen und Forschungslücken identifiziert werden.

In Österreich beteiligen sich neben dem Umweltbundesamt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die Medizinischen Universitäten in Wien und Innsbruck und die private Universität UMIT in Tirol an HBM4EU. Die Projektleitung liegt beim deutschen Umweltbundesamt, die finanziellen Mittel kommen aus dem EU-Programm für Forschung und Innovation, Horizon 2020 sowie aus Beiträgen der Mitgliedstaaten.

Weitere Informationen: http://hbm4eu-vienna2018.com/;
https://www.hbm4eu.eu/; http://www.umweltbundesamt.at/news_180928