Pharmig: Krebs: Versorgung in Österreich über EU-Schnitt

IHE-Report vergleicht Österreich-Performance bei Krebsversorgung mit Europa

In einer von der PHARMIG veranstalteten Pressekonferenz wurden heute österreichspezifische Zahlen der Studie “Comparator Report on Cancer in Europe“ des schwedischen Institute of Health Economics (IHE) vorgelegt. Sie zeigen, dass in Österreich die Anzahl der Neuerkrankungen geringer, die Sterblichkeit niedriger und gleichzeitig die Überlebensdauer von an Krebs erkrankten Personen höher ist als im EU-Schnitt. Dazu tragen eine verbesserte Diagnostik, der medizinische Fortschritt sowie innovative Therapien im Krebsbereich bei, wie Mag. Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, Dr. Thomas Hofmarcher vom IHE und Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser von der MedUni Wien festhielten. Die Studie zeigt auch, dass Länder mit höheren Ausgaben bei Krebsbehandlungen tendenziell höhere Überlebensraten erzielen.

„Neuerkrankungen bei Krebs nehmen in allen Ländern zu. In Österreich sehen wir einen Anstieg von 20 Prozent bzw. von 34.443 Fällen auf 41.389, wenn man die Jahre 1995 und 2017 vergleicht. Der EU-Schnitt liegt hier bei einem Anstieg von 50 Prozent bzw. von 2,1 auf 3,1 Millionen Fälle im Vergleichszeitraum“, so der Co-Autor und Forscher am IHE Thomas Hofmarcher. Auch bei der Krebssterblichkeit ist in allen Ländern ein Anstieg zu beobachten, allerdings sind es in Österreich lediglich 6 Prozent (19.072 Fälle in 1995 gegenüber 20.148 in 2017) verglichen mit 20 Prozent im EU-Schnitt (1,2 auf 1,4 Millionen Fälle in den Jahren 1995 und 2017).

Die Studie untersucht weiters, in welchem Ausmaß die Gesundheitsausgaben für Krebsbehandlungen mit den Überlebensraten korrelieren. „Hier sehen wir, dass Krebspatienten in Ländern, die mehr für Krebs ausgeben, eine höhere Überlebensrate haben. Wobei es bei Ländern, die eine ähnliche Überlebensrate aufweisen, wiederum große Unterschiede bei den Ausgaben gibt“, erklärt Hofmarcher. In Österreich entfallen 6 Prozent der Gesundheitsausgaben auf Krebsbehandlungen und dies konstant seit vielen Jahren. Damit liegt Österreich nahe der europaweiten Trendlinie. Laut dem IHE-Vertreter könne die Effizienz von Mitteleinsatz und Behandlungsergebnis in Österreich jedenfalls gesteigert werden.

Wie der Report ebenfalls analysiert, konnten die Produktivitätsverluste durch Krebs im Zeitraum von 1995 bis 2018 europaweit verringert werden. Österreich schneidet hier mit minus 21 Prozent deutlich besser ab als der EU-Durchschnitt mit minus 15 Prozent.

Geht es nach dem IHE-Report, wären etwa 40 Prozent aller Neuerkrankungen vermeidbar, wobei sich Lebensstilfaktoren wie Rauchen (ca. 50 Prozent), Übergewicht, Alkoholkonsum, körperliche Inaktivität, falsche Ernährung, aber auch UV-Strahlung oder Infektionen mit HPV, Hepatitis oder HIV-negativ auswirken.

Hierzu hält Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Medizinischen Universität Wien, fest: „Der 2019 in Österreich in Kraft getretene Nichtraucherschutz ist ein entscheidender Schritt für die Krebsvorsorge. Ein breiter Wissenstransfer in der Bevölkerung trägt dazu bei, die Präventionswirkung bei Krebs zu erhöhen.“ Zu den Überlebensraten sagt der Onkologe: „Bei Brustkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs konnte die Überlebensdauer leicht gesteigert werden, bei schwarzem Hautkrebs, Eierstockkrebs und lymphoiden Krebsarten war sie rückläufig. Trotzdem leben heute deutlich mehr Krebspatienten fünf Jahre nach ihrer Diagnose als noch vor 20 Jahren, und zwar dank verbesserter Diagnostik und guter Versorgung mit innovativen Therapien.“

Um neue Therapien für Patienten verfügbar zu machen, habe die moderne Krebsmedizin laut Preusser in Österreich mit der Immuntherapie, der CAR-T-Zell-Therapie und der personalisierten Therapie bei vielen Krebsarten echte medizinische Durchbrüche erzielt. „Hinter dieser Entwicklung in Richtung immer spezieller, auf den Patienten zugeschnittener Behandlungen, steckt ein immenser Forschungsaufwand. Die Teilnahme von Patienten an klinischen Studien trägt dazu bei, die Entwicklung neuer Diagnosemöglichkeiten sowie passender Therapien zu beschleunigen. An der MedUni Wien wird massiv in die Forschungsinfrastruktur investiert, wie z.B. mit dem Bau eines Zentrums für Präzisionsmedizin am MedUni Campus AKH“, erläutert Preusser mit Verweis auf die gestiegene Anzahl an Medikamenten im onkologischen Bereich.

„118 Arzneimittel in der Onkologie hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA von 1995 bis 2018 zugelassen. Sie sind das Ergebnis intensiver Forschungsaktivitäten der pharmazeutischen Industrie. Für die Betroffenen sind diese neuen Therapien von unschätzbarem Wert, weil es um die Steigerung ihrer Lebensqualität und Lebensdauer geht“, sagt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG.

Die pharmazeutische Industrie investiert und beforscht unterschiedliche Bereiche, in denen es einen hohen medizinischen Handlungsbedarf, aber nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt. In der Vergangenheit konnten bemerkenswerte Fortschritte im Kampf gegen rund 200 Krebsarten erzielt werden. Laut IHE-Report haben sich die Forschungsausgaben zur Bekämpfung der Erkrankung seit 2005 von 4,1 Milliarden Euro pro Jahr in Europa auf 11,8 Milliarden beinahe verdreifacht. Die pharmazeutische Industrie trägt hiervon rund 8,5 Milliarden Euro, die öffentliche Hand etwa 3,3 Milliarden Euro. Die Bedeutung der Klinischen Forschung für den Wirtschaftsstandort Österreich zeigt auch eine kürzlich präsentierte Studie des IPF, wonach 1 in die klinische Forschung investierter Euro der österreichischen Volkswirtschaft ca. 1,95 Euro Wertschöpfung bringt.

Insgesamt genießt die Onkologie in Österreich einen hohen Stellenwert im Forschungsbereich. Von 455 industriegesponserten Prüfungen im Jahr 2018 in Österreich entfielen 206 (45,3 Prozent) auf die Onkologie. Dazu Herzog: „Die Onkologie ist der am meisten beforschte Bereich in Österreich. Das bedeutet, Krebspatienten haben oft frühen Zugang zu Medikamenten mit modernsten Wirkstoffen und damit höhere Chancen auf Heilung. Dieses Wohl der Patienten muss auch bei der öffentlichen Finanzierung berücksichtigt werden, weil es auch einen Wert für die Gesellschaft darstellt. Denn Arzneimittelinnovationen helfen Patienten, entlasten das Gesundheitssystem und stiften volkswirtschaftlichen Nutzen.“

Über die PHARMIG:

Die PHARMIG ist die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie. Derzeit hat der Verband 120 Mitglieder (Stand März 2020), die den Medikamenten-Markt zu gut 95 Prozent abdecken. Die PHARMIG und ihre Mitgliedsfirmen stehen für eine bestmögliche Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln im Gesundheitswesen und sichern durch Qualität und Innovation den gesellschaftlichen und medizinischen Fortschritt.

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