ÖGMBT: Life Science Research Awards Austria an drei junge österreichische Krebsforscher

Bei der größten österreichischen Life-Science-Tagung sind am Montag in Wien drei junge Wissenschaftler für ihre international aufsehenerregenden Arbeiten ausgezeichnet worden: Die Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) zeichnete bei ihrer 10. Jahrestagung Cosmas Arnold, Matthias Muhar (beide vom Wiener Institut IMP) und Therese Wohlschlager (Universtität Salzburg) für ihre Leistungen aus. Die Erkenntnisse der drei Preisträger sind unter anderem für die Krebsforschung wichtig. Die mit jeweils 3.000 EUR dotierten Preise wurden mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BDW) vergeben.

In der Kategorie Grundlagenforschung ging der Life Science Research Award 2018 an Cosmas Arnold vom Wiener Institut IMP mit dem Titel “Genome-wide assessment of sequence-intrinsic enhancer responsiveness at single-basepair Resolution“. Die Arbeit wurde im hoch angesehenen Nature Biotechnology publiziert. Sie beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen zur Genregulation. Eine Reihe von Krankheiten ist mit fehlerhafter Genexpression verknüpft, so z.B. alle Arten von Krebs.

Forschung gegen Krebs durch fehlerhafte Gen-Expression

„Obwohl das humane Genom schon seit geraumer Zeit sequenziert ist, ist das Verständnis der Regulation der Genexpression noch immer sehr lückenhaft. Arnold hat eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, genetische Regulationsmechanismen sehr genau zu analysieren. Diese Methode hat für viele Anwendungen ein hohes Potenzial und ist damit für die Scientific Community sehr wertvoll. Die Verwendung der Methode wird dazu beitragen, unser Verständnis der Regulation von Genen stark zu verbessern“, so die Begründung von Juryvorsitzendem Joachim Seipelt.

Faktoren identifiziert, die verschiedene Krebsformen entstehen lassen

In der Kategorie anwendungsorientierte Forschung ging der Preis an Matthias Muhar vom IMP. Er hat er eine neue Methode entwickelt, mit der die Reaktion von Krebszellen auf die Behandlung mit Chemotherapeutika umfassender als zuvor studiert werden kann. Die Methode basiert auf einem Hochdurchsatz-Verfahren für die Analyse von neu synthetisierten Ribonukleinsäure-Molekülen und der als Genschere bekannten Technologie CRISPR. Juryvorsitzender Lukas Mach: „Seine heuer in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlichte Arbeit zeigt eindrucksvoll auf wie mittels funktioneller Genomik jene Faktoren identifiziert werden können, die das Entstehen von verschiedenen Formen von Krebs bestimmen.“

Neues Verfahren für Herstellung besserer Krebs-Medikamente

Der Sonderpreis „Excellence & Societal Impact“ ging an Therese Wohlschlager von der Universität Salzburg. Dieser Preis für wissenschaftlich herausragende Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz wurde heuer zum ersten Mal vergeben. Die prämierte Arbeit beschreibt ein innovatives Verfahren, das für die Qualitätskontrolle von komplexen therapeutischen Wirkstoffen eingesetzt werden kann. Juror Lukas Mach: „Damit hat Wohlschlager wesentlich zur verbesserten Herstellung von Medikamenten beigetragen, die bei der Behandlung von Krebs und verschiedenen Entzündungserkrankungen Verwendung finden.“

Dissertationspreise für Forschung zu Autismus und Arzneistoffen in Pflanzen

Ebenfalls vergeben wurden die Dissertationspreise Life Science PhD Awards Austria. In der Kategorie Grundlagenforschung ging der von Polymun Scientific gesponserte Preis an Dora Tarlungeanu vom IST Austria. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Aufklärung eines neurologischen Syndroms, das durch eine Mutation eines Aminosäuretransporters verursacht wird. Dies liefert eine mögliche Basis für neue Therapieansätze, z. B. für Autismus.      

In der Kategorie Anwendungsorientierte Forschung ging der von THP Medical Products gesponserte Dissertationspreis an Kallolimath Somanath von der Universität für Bodenkultur Wien. Seine Arbeit hatte das Ziel Pflanzenzellen so zu verändern, dass sie hochkomplexe Zuckerstrukturen, nämlich humane Polysialinsäuren, reproduzierbar und in klar definierter Zusammensetzung und Länge produzieren können. Die Arbeit stellt einen wichtigen Meilenstein für die Produktion von komplex glycosylierten Arzneistoffen in Pflanzen für industrielle und therapeutische Anwendungen dar.

10 Jahre ÖGMBT: Tagung als Sprungbrett zur internationalen Karriere

ÖGMBT-Präsidentin Angela Sessitsch: „Auch heuer beweisen die Gewinner wieder das internationale Top-Niveau der Life-Science-Forschung in Österreich. In den zehn Jahren ihrer Gründung hat die ÖGMBT 23 Dissertations- und 21 Forschungspreise für herausragende wissenschaftliche Leistungen junger WissenschaftlerInnen verliehen. Viele von ihnen konnten inzwischen national und international in der Forschung und zum Teil mit eigenen Unternehmen große Karriere machen.“

Zur Jahrestagung kommen Studierende, WissenschaftlerInnen und Unternehmen aus ganz Österreich zusammen und tauschen sich zu den aktuellsten Forschungsergebnissen aus. Heuer fand die Tagung mit 500 Teilnehmern am Campus der Uni Wien statt.