Biosimilarsverband Österreich: Einsparungspotenzial durch die Einführung von Biosimilars: bis zu 500 Millionen Euro bis 2023 möglich

- In den letzten 10 Jahren bereits Einsparungen von rund 200 Millionen Euro durch die Einführung von Biosimilars realisiert

- Biosimilars-Einsatz zeigt teils erhebliche regionale Unterschiede

Eine neue Studie des Biosimilarsverbandes in Kooperation mit IQVIA zeigt in den nächsten fünf Jahren ein massives Potenzial zur Drosselung der Ausgaben von bis zu 500 Millionen Euro in Österreich auf, das für innovative Therapien eingesetzt werden könnte. In den letzten 10 Jahren hat die Einführung von Biosimilars in Österreich bereits zu Effizienzsteigerungen von rund 200 Millionen Euro beigetragen. [1]
„88 % des Biosimilars-fähigen Marktes werden derzeit noch nicht ausgeschöpft. Der Umsatz von Biosimilars stieg im Krankenhaus mit 88 % von 2016 auf 2018 rapide an, im Vergleich dazu im niedergelassenen Bereich mäßig mit nur 34 %. Hier sehen wir noch Handlungsbedarf“, meint Dr. Sabine Möritz-Kaisergruber, Präsidentin des Biosimilarsverbandes Österreich (BiVÖ).

Biosimilars können die Behandlungskosten um über 50 Prozent senken

Biopharmazeutika sind moderne Arzneimittel und ermöglichen die Behandlung schwerer Erkrankungen wie Krebs, Autoimmunerkrankungen, Wachstumsstörungen, Osteoporose oder Blutgerinnung. Sie entstehen in einem aufwendigen und kostspieligen Entwicklungs- und Herstellungsprozess und sind dementsprechend teuer. Als gleichwertige Nachfolgeprodukte von bereits seit Jahren am Markt zugelassenen Biopharmazeutika, deren Patent abgelaufen ist, können Biosimilars die Arzneimittelkosten um über 50 Prozent senken. Sie sind somit eine leistbare Alternative für teure Therapien und sichern eine breite Versorgung der Patienten.
Derzeit sind in Österreich 33 Biosimilars zu 13 Referenzprodukten am Markt zugelassen. In Europa stehen mehr als 50 durch die EMA zugelassene Biosimilars zur Verfügung. Damit zeigt sich Europa als Innovationsführer – in den USA sind es nur 19. Das erste Biosimilar stammt sogar aus Österreich: Sandoz erhielt als erstes internationales Pharmaunternehmen die Zulassung für ein Biosimilar in der EU. „Bis 2023 verlieren weitere 12 Biologika ihr Patent. Bleibt der Markt für Biosimilarsanbieter attraktiv, steht dem österreichischen Gesundheitssystem erneut großes Entlastungspotenzial zur Verfügung“, so Möritz-Kaisergruber.

Neue Preisregelung schafft planbares Marktumfeld

Die neue Biosimilars-Preisregelung, die seit April 2017 – aber zeitlich begrenzt – in Kraft ist, hat bereits positive Effekte erzielt und die Aufnahme weiterer Biosimilars in die Erstattung gewährleistet. Um das Einsparungspotenzial von bis zu 500 Millionen Euro für das österreichische Gesundheitssystem realisieren zu können, muss dieses Gesetz ins Dauerrecht überführt werden. Nur so können die Planungssicherheit für die Industrie gewährleistet und ausreichend Anreize für die Verwendung von Biosimilars geschaffen werden. „Biosimilars dürfen nicht zum Steigbügelhalter für intransparente Preispolitik werden. Biosimilars regen den Wettbewerb an und senken so auch die Preise bei den Referenzprodukten. Kommen weniger Biosimilars auf den Markt wird das Einsparungspotenzial infolge massiv gedämpft“, ist Möritz-Kaisergruber überzeugt.

Unterschiedlicher Einsatz von Biosimilars in den Bundesländern

Aus der Biosimilars-Verbrauchsstudie 2019 gehen zudem erhebliche regionale Unterschiede im Einsatz von Biosimilars in den verschiedenen Bundesländern hervor. So lag der Marktanteil 2018 im niedergelassenen Bereich berechnet am Absatz bei Infliximab-Biosimilars in Niederösterreich und im Burgenland gemeinsam bei 81 % - im Vergleich dazu bei nur 31 % in der Steiermark. Bei Epoetine-Biosimilars lag der Marktanteil von Biosimilars im Krankenhaus-Bereich nach Packungen in Tirol und Vorarlberg erheblich höher als in der Steiermark. Preisdruck und Intransparenz bei den Preisen stellen zentrale Eintrittshürden für Biosimilars dar. „Vor allem die Ergebnisse im Krankenhaus-Bereich zeigen uns, dass auch bei Gleichpreisigkeit die Biosimilarsförderung im Sinne eines nachhaltigen Angebots und erhöhter Versorgungssicherheit fortgesetzt werden muss. Nur wenn der Biosimilarsmarkt für die Anbieter interessant bleibt, kann auch in Zukunft das enorme Einsparungspotenzial für das österreichische Gesundheitssystem realisiert werden“, meint Möritz-Kaisergruber.

Biosimilars-Verordnungen fördern

„Der Markt von Biologika inkl. Biosimilars beträgt im niedergelassenen und Krankenhausbereich in 2018 rund 960 Millionen Euro. Biosimilars werden heute in einem Wert von etwa 80 Millionen Euro verordnet.“, so Dr. Martin Spatz, Geschäftsführer von IQVIA. Dies zeigt auch, dass die Biosimilars-Verordnung aktiv gefördert werden sollte. Unterstützung erwartet sich der BiVÖ etwa durch die Sozialversicherungsträger mittels positiver Kommunikation und regelmäßiger Information aber auch durch die Politik mit Hilfe von Anreizsystemen wie etwa einer reduzierten Rezeptgebühr. Auch in der Einführung von Verordnungsquoten sieht der Biosimilarsverband ein adäquates Mittel zur Biosimilars-Förderung. „Nur der verstärkte und frühe Einsatz von Biosimilars kann Kostenoptimierungen erzielen und Ressourcen für weitere innovative Therapiemöglichkeiten freisetzen – dies kann nur durch das Zusammenspiel von Ärzten, Apothekern, Krankenkassen, Politik und Patienten erreicht werden“, erläutert Sabine Möritz-Kaisergruber.

[1] Basis Herstellerabgabepreis

Über den Biosimilarsverband

Der Biosimilarsverband Österreich ist die freiwillige Interessensvertretung der Biosimilarsanbieter und -produzenten. Biosimilars sind gleichwertige Nachfolgeprodukte von bereits seit Jahren am Markt zugelassene Biopharmazeutika, deren Patent abgelaufen ist und damit eine leistbare Alternative für teure Therapien. Unser Ziel: Patientinnen und Patienten einen Zugang zu innovativen biopharmazeutischen Arzneimitteltherapien zu ermöglichen, die auch nachhaltig finanzierbar sind. Unsere Mitglieder sind Accord Healthcare GmbH, Amgen GmbH, Astro Pharma GmbH, Biogen Austria, Fresenius Kabi Austria GmbH, Mylan Pharma, Sandoz GmbH und STADA Arzneimittel GmbH. Diese Unternehmen deckten 2018 über 80 % des österreichischen Biosimilarsmarktes ab.
Mehr Informationen: www.biosimilarsverband.at

Über IQVIA

IQVIA (NYSE: IQV) ist ein führender, globaler Anbieter von Daten und Informationen, Beratungs- und Consultingleistungen, innovativen IT- und Technologielösungen für alle Bereiche der Life Sciences sowie ein Anbieter klinischer Auftragsforschung und von Leihaußendiensten.
Kunden von IQVIA sind pharmazeutische Hersteller, Startups aus dem Life Science-Bereich, Medizintechnik-Unternehmen, Forscher, Patientenvereinigungen, Zahler und öffentliche Einrichtungen. Das Ziel von IQVIA ist es, für alle Kunden die klinische Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln zu optimieren, das Verständnis über Fragestellungen zu den Life Sciences zu optimieren, Innovationen zu fördern und aussagekräftige Resultate zu erzielen. Mehr Informationen: www.iqvia.com